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Karriere im Eimerchen? Warum Mütter nicht zum Arbeiten kommen.

Karriere im Eimerchen

Hm, ich weiß nicht so recht. Als dieses Buch auf meinem Schreibtisch landete, erwartete ich einen amüsanten Ratgeber, der das Thema „Kind & Karriere“ von allen Seiten beleuchtet. Mit vielen nützlichen Tipps & Denkanstößen für Mütter, die sich erdreisten, trotz ihres Nachwuchses einer bezahlten Tätigkeit nachzugehen (also Frauen wie mir).

Und genau so verspricht es Autorin Nina Puri gleich am Anfang: „Es [das Buch] liefert unschätzbar wertvolle Munition für erbitterte Diskussionen zwischen voll berufstätigen, halbberufstätigen und nichtberufstätigen Müttern.“

Inhaltsleere Stammtischparolen

Nun ja, das tut es nicht wirklich. Eher handelt es sich um eine Ansammlung inhaltsleerer Stammtischparolen, die man so oder anders schon zigmal gehört oder gelesen hat.

Hinzu kommen ein paar falsche Fakten, etwa, wenn Nina Puri behauptet: „In Deutschland verschwinden Jahr für Jahr Millionen Frauen in die Babypause und werden nie wieder gesehen.“ Bei nur etwa 650.000 Kindern, die hierzulande jährlich geboren werden, stellt sich da natürlich die Frage, woher denn bloß die „Millionen Frauen“ kommen, die angeblich verschwinden.

Das ist ein wenig ärgerlich, denn wenn schon solche Behauptungen schlicht nicht stimmen können, erscheint es zweifelhaft, ob das Buch tatsächlich als Rüstzeug für hitzige Diskussionen taugt oder ob man sich damit nicht eher unfreiwilliger Peinlichkeit aussetzt.

Unterhaltsame Passagen mit Nervfaktor

Trotzdem lesen sich einige Passagen sehr unterhaltsam – allerdings nervt auf Dauer das Faible der Autorin, sich ständig in die widersinnigsten Vergleiche zu flüchten: „Wer mit Kind fröhlich ganztags weiterarbeitet, bekommt dafür etwa so viel öffentlichen Zuspruch wie der Kannibale von Rotenburg.“ Autsch!

Oder: „Mütter und Arbeit ist ein Reizthema, über das Mütter hierzulande in etwa so locker reden wie strenggläubige Hindus über Kalbsschnitzel oder Islamisten über Karikaturen.“ Doppel-Autsch!

Oder: „Kein Wunder, dass viele Mütter die Frage ‚Job oder Kind?’ so lange und gewissenhaft wälzen, bis sie sich nicht mehr stellt, weil die Jahre, schwupps, vergangen sind und sie zur Darmspiegelung, Anpassung der Lesebrille und Altersvorsorge-Beratung müssen und sowieso keine Zeit mehr für einen Job haben.“ Also, bitte, was soll so ein Unsinn?

Auch hübsch: „’Die Regenbogen-Gruppe hat Windpocken!’ Solche Nachrichten lassen den Puls einer berufstätigen Mutter schneller hochjagen als jede Kampfdogge auf dem Spielplatz.“ Äh, ja.

Wiebkes Fazit

Wirklich schade, dass Nina Puri das macht, denn das geht einem beim Lesen nicht nur schrecklich auf den Keks, sondern schürt auch den Verdacht, dass hier jemand der Versuchung erlegen ist, über mangelnden Inhalt mit besonders „originellen“ Floskeln hinweg zu täuschen.

Dennoch, hier und da finden sich ein paar interessante Informationen, etwa, dass Frauen bis ins Jahr 1977 noch den Segen ihres Mannes brauchten, wenn sie auch mit Kind weiterarbeiten wollten oder dass man im Ausland von „German Angst“ spricht und damit die typisch deutsche Fähigkeit meint, Probleme zu finden, wo es keine gibt.

Nun ja, vielleicht bin ich beim Lesen auch eben dieser „German Angst“ zum Opfer gefallen, aber ich hatte mit „Karriere im Eimerchen?“ so meine Probleme.




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Daumen zur SeiteAlles in Allem ein Buch, das man gelesen haben kann – aber nicht muss.

Allgemeine Infos zum Buch

Karriere im Eimerchen?: Warum Mütter nicht zum Arbeiten kommen

Karriere im Eimerchen?*

Titel: Karriere im Eimerchen?: Warum Mütter nicht zum Arbeiten kommen*

Autorin: Nina Puri

Taschenbuch: 240 Seiten

Verlag: Knaur TB (3. März 2014)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3426786265

ISBN-13: 978-3426786260

Taschenbuch & Kindle-Edition: 9,99 EUR

Foto: Verlagsgruppe Droemer Knaur

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