(Vor-)Schulkind, mal ehrlich …!
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Schluss mit den dummen Witzen! Motivieren statt Ausbremsen!

motivieren

Ich bin ja von Haus aus ein halbwegs-verträglicher Mensch, dachte ich zumindest. Nun ging mir aber jüngst mein nicht vorhandener Hut hoch. Denn leider hört man im Jahre 2014 immer noch Sätze, die schon vor 100 Jahren totaler Mist waren. Nur mit dem Unterschied, dass man es damals vielleicht noch nicht besser wusste.

Eine 3 in Mathe

In diesen Tagen bekommen ja Millionen Kinder in Deutschland ihre Zeugnisse. Aufregende Sache das Ganze. Nun ist an den Zeugnissen meiner kleinen Mitbewohner absolut nichts zu bemängeln. Oder sagen wir mal höchstens über das Feintuning könnte man vielleicht reden. Aber das ist Kleinkram.

Meine Tochter (10) allerdings ärgerte sich ein wenig über eine 3 in Mathe. Sie ärgert sich eigentlich jedes Jahr über eine 3 und jedes Jahr in einem anderen Fach. Die 3 ist ein bisschen wie der sagenhafte Plumps-Sack, sie geht nämlich reihum. Mal hat Luzie sie in Musik, dann schleicht die 3 sich zu HSU (Heimat- und Sachunterricht), einmal war sie sogar bei Deutsch angekommen, obwohl das Kind formuliert wie eine kleine Text-Göttin.

Aber so ist das halt, wenn man man es mit übertriebener Lässigkeit angeht. Und genau so kam es nun auch zur aktuellen 3 in Mathematik.

So weit, so überhaupt nicht schlimm.

Du bist doch ein Mächen

Eines allerdings finde ich ziemlich schlimm. Und das sind wohlwollende Menschen, die völlig gedankenlose Sprüche zu einer 3 in Mathe absondern. Ach, was rede ich, gedankenlose Sprüche sind auch an anderer Stelle oft echt misslich.

Aber bleiben wir mal bei dieser 3 in Mathe. Dem klugen Kind ist natürlich bewusst, dass es vermutlich gar nicht so schwer gewesen wäre, an der Stelle eine 2 zu erlangen. Hatte es ja im letzten Zeugnis auch. Also moderierte es die 3 mit den Worten „äh, ja, doof, diese 3“.

Sie sagte dies zu einem wohlwollenden Menschen, dessen Name und Funktion nichts zur Sache tut, er ist nämlich völlig austauschbar. Es gibt diesen Typ vermutlich in jeder Familie. Tja, und was entgegnete dieser wohlwollende Mensch: „Ach was, das ist doch ein tolles Zeugnis. 3 in Mathe? Na und, du bist doch ein Mädchen …“

Schrecksekunde, Stille, Musik vom Weißen Hai

Nun war ich zufällig dabei, als dieser Satz fiel. Und spontan platzte mir der nicht-vorhandene Kragen: „Was für ein Blödsinn, sag sowas bitte nie wieder,“ ich konnte gar nicht so schnell denken, wie dieser Satz meinen Mund verließ. Entsetzte Blicke bei allen anderen Anwesenden. „Das war doch nur ein Scherz“. Doch ich hielt dagegen: „Mit sowas macht man keine Scherze!“

Ich sag’s mal so: Man ging nicht wirklich in Harmonie aus dieser Situation. Ich kriegte noch ein: „Nun komm mal wieder runter, so war das doch nicht gemeint“, mit auf den Weg. Peng, das war’s. Zumindest für besagten, wohlwollenden Menschen. Ich allerdings möchte diese Geschichte mit euch teilen. Denn es liegt mir am Herzen, etwas zu ändern.

Motivieren statt Ausbremsen

Keine Sorge, ich gehöre nicht zur Fraktion der Hardcore-Feministinnen, die überall Verschwörungen gegen Frauen wittern, und natürlich ist mir bewusst, dass nicht jeder die gleichen Talente hat.

Es macht mich allerdings wütend, wenn es heißt, das kannst du nicht, weil du ein Mädchen, ein Junge, blond oder sommersprossig bist. Das sind doch keine Kriterien dafür, ob jemand etwas kann oder nicht kann.

Grundsätzlich glaube ich sogar, dass fast jeder fast alles lernen kann, wenn er an sich glaubt, es wirklich möchte und daran arbeitet. Zumindest sollten wir aber dafür sorgen, dass jeder kleine Mensch von uns diese Botschaft mitbekommt: Du kannst es schaffen, wenn du willst!

Nun will ich ehrlich sein, aus mir wäre bei einer Körpergröße von schlappen 1,62 m sicher kein Basketball-Star geworden. Die Natur hat uns natürlich Grenzen gesetzt. Aber vielleicht hätte ich eine Zwergen-Liga gegründet und mit lauter anderen kurzen Menschen auf Körbe in niedrigerer Höhe geworfen. Wenn ich es denn gewollt hätte 😉 Ich denke, die Botschaft ist klar.




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Fazit: Hört bitte auf, gedankenlos wohlwollende Sätze abzusondern ihr Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Bäckereifachverkäuferinnen oder sonstige Leutchen da draußen, die in diesen Tagen Zeugnisse gezeigt bekommen. Motivieren statt Ausbremsen würde bedeuten, dass man vielleicht sagt: Ich finde eine 3 auch ok, aber wenn du damit nicht zufrieden bist, schaust du dir den Stoff einfach im nächsten Schuljahr ein bisschen genauer an. Falls du Fragen hast, helfe ich dir auch jederzeit gern!

Ich schwöre, dann läuft das. Und nun wünsche ich allen da draußen schöne Ferien. Ich überlege ja, ob ich nicht doch noch ein Studium der Mathematik anstrebe, einfach so, weil ich es kann.

Vorher habe ich aber noch einen Buchtipp für euch:

Das Buch zum Thema „Rebel Girls“

Good Night Stories for Rebel Girls

Good Night Stories for Rebel Girls*

TitelGood Night Stories for Rebel Girls: 100 außergewöhnliche Frauen*

Inhalt: Sie sind ins All und über den Atlantik geflogen, haben den Erdball schon mit 16 umsegelt und die höchsten Gipfel in Röcken bestiegen. In allen Ländern und zu allen Zeiten gab es Frauen, die mutige Vorreiter waren, neugierige Entdeckerinnen, kluge Forscherinnen und kreative Genies. Herrscherinnen, die unter widrigsten Umständen ihre Länder regierten, Aktivistinnen, die gegen Ungerechtigkeit protestierten, Wissenschaftlerinnen, die unbekannte Pflanzen und gefährliche Tiere erforschten.

Dieses Buch versammelt 100 inspirierende Geschichten über beeindruckende Frauen, die jedem Mädchen Mut machen, an seine Träume zu glauben. Eine spannende Lektüre, illustriert von über 60 Künstlerinnen aus aller Welt.

Autoren: Elena Favilli (Autor), Francesca Cavallo (Autor), Birgitt Kollmann (Übersetzer)

Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG (25. September 2017)
ISBN-10: 3446256903
ISBN-13: 978-3446256903
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 12 – 15 Jahre
Gebundene Ausgabe 24 EUR

Foto: Nicole Stroschein

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3 Kommentare

  1. Pingback: Blogstöckchen oder die Männlein-Weiblein-Frage

  2. Hallo Nicole,

    ich habe kürzlich eine Vortragsreihe Eltern-Coaching besucht und auch darüber gebloggt http://www.tipptrick.com/2014/06/18/claudias-praktischer-ratgeber-elterncoaching/
    Dabei ging es auch um das Thema Unterschied zwischen Lob und Ermutigung. Das Geschlecht sollte bei Äußerungen keine Rolle spielen, solche Sprüche werden oft zu falschen Glaubenssätzen. Ich denke, dass man Sorgen der Kinder immer ernst nehmen, Verständnis ausdrücken und sie dann motivieren sollte, dass sie selbständig die Situation ändern wollen, wie Du im Fazit formuliert hast.

    Viele Grüße
    Claudia

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