(Vor-)Schulkind, Grundschule
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SCHULE War sie früher besser?

Schule

Grundschulen im Check – was läuft gut, was könnte besser sein?

Mangelnde Struktur, verwirrende Lerninhalte und schlechte Bildung. So oder ähnlich schimpfen viele Menschen auf das Schulsystem in Deutschland.

Vorurteil oder Wahrheit? Hier ein Vergleich der Grundschulen heute mit den 70er-Jahren.

LEHRPLÄNE & INHALTE

Streitpunkt Englisch

Im Wesentlichen werden die gleichen Fächer unterrichtet wie früher: Deutsch, Mathe, Sachunterricht, Kunst, Sport, Religion. Wichtigste Neuerung ist Englisch. Meistens ab Stufe drei, teilweise von Beginn an -spielerisch und ohne Druck.

Kritiker sagen, dieser Unterricht biete keinen Vorteil für die Anforderungen an weiterführenden Schulen. Grundschulpädagoge Edgar Mayer sieht das anders: „Kinder, denen das frühe Erlernen einer Fremdsprache vorenthalten wird, sind um eine wichtige Erfahrung ärmer. Im Gegensatz zu Erwachsenen unterhalten sie sich spontan in fremden Sprachen, auch wenn ihre Kenntnisse noch gering sind. Der Unterricht sollte aber auch weiterhin spielerisch und ohne Notendruck ablaufen“, so der wissenschaftliche Mitarbeiter der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

METHODEN

Moderne Technik & Materialien

Viele Grundschulen sind auch technisch fortschrittlich. Computer gehören zur Standard-Ausrüstung. Umstritten sind sogenannte Lernlandschaften, bei denen die Kinder zeitweise selbst entscheiden können, wann sie sich mit welchen Inhalten beschäftigen. Ihr Vorteil: Im Gegensatz zu früher langweilen Erstklässler, die z. B. schon lesen können, sich nicht, die anderen werden nicht überfordert. Davon ausgehend, dass der Wissensstand bei Abc-Schützen einen Unterschied von bis zu drei Jahren beträgt, ein sinnvoller Ansatz.

Lesen durch Schreiben

Das umstrittene Konzept des Schweizer Pädagogen Jürgen Reichen sieht vor, dass Kinder im ersten Jahr so schreiben, wie sie die Worte hören,

Rechtschreibung wird, anders als in den 70er-Jahren, nicht korrigiert. Dies soll zu größerer Motivation führen. Edgar Mayer: „Bei dieser Methode wird das Lesen nicht unterstützt. Vor allem leistungsschwache Schüler bekommen dadurch häufiger Lese-Rechtschreib-Probleme. Kinder sollten nach wie vor auf eine normgerechte Rechtschreibung hingeführt werden. Sie zunächst über die Laute die Schriftsprache entdecken zu lassen halte ich aber für sinnvoll.“

UMFELD

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Vertrauenslehrer und Toberaum

Gerade in Großstädten gibt es wesentlich mehr verhaltensauffällige Schüler als früher. Oft werden deshalb Sozialpädagogen eingesetzt, die bei Streitigkeiten vermitteln. Schüler, die den Unterricht stören, werden teilweise in einen Toberaum geschickt. Edgar Mayer erklärt: „Manchmal bekommen Lehrkräfte auffällige Schüler einfach nicht unter Kontrolle. Dann kann ein solcher Raum, zum Beispiel mit einem Punching-Ball, ein sinnvolles Mittel für den Schüler sein, sich abzureagieren. Da Jungen häufiger auffällig sind als Mädchen, wäre es vor allem dringend nötig, dass mehr männliche Lehrkräfte an Grundschulen unterrichten.“

Kleine Klassen

Früher waren Klassen mit bis zu 40 Schülern keine Seltenheit. Heute sind 25 oder weniger Kinder normal. So können Lehrer besser auf jeden einzelnen Schüler eingehen. Das Frühstück wird gemeinsam eingenommen.

Daher fühlen sich auch die Kleinsten wohl, und die Eingewöhnung fällt leichter.

ZUSATZANGEBOTE

Mittagessen, Zirkus, Yoga

Gemeinsames Essen in der Caféteria, Hausaufgabenhilfe am Nachmittag, Entspannungszonen, Yoga, Tanz oder Zirkusprojekte – das Angebot moderner Grundschulen ist viel umfangreicher als in den 70er-Jahren. Kinder werden viel individueller gefördert. Schade, dass trotzdem nicht alle Grundschüler schwimmen lernen, was wirklich wichtig wäre.

Fazit: Viele Inhalte und Methoden sind wesentlich kindgerechter als vor 40 Jahren, allerdings fehlt manchmal die klare Linie. Und vor allem einheitliche Inhalte, bundesweit!

Edgar Mayer: „Ein einheitliches Bildungs-und Schulsystem wäre wichtig. Damit Kinder auch nach einem Umzug in ein anderes Bundesland zurechtkommen. Immerhin wird daran inzwischen gearbeitet, und wir sind auf einem guten Weg.“

Foto: Africa Studio / shutterstock.com

5 Kommentare

  1. Franz sagt

    Hallo Nicole,
    das mag ja alles toll sein mit Mittagessen und spielerischen Angeboten.
    Aber es überzeugt mich wirklich nicht. Früher hatten die Kinder einen Grundwortschatz von 1100 Wörtern, heute nur noch 700.
    Früher beherrschten die Kinder das ABC, die Grundrechenarten, austoben konnten sie sich im Sportunterricht, der gefälligst mal wieder regelmäßig standfinden müsste. Dazu kommt Schriftbild, Rechtschreibung und einiges mehr war früher besser und nicht schlechter. Und so setzt sich eine unheilvolle Entwicklung bis ins Erwachsenenalter fort. Wir produzieren durch diesen Unsinn primäre und sekundäre Analphabeten. Das ist ein Verbrechen gegenüber den Kindern und der ganzen Gesellschaft. Was bitte schön soll da heute besser sein?
    Es klingt ja alles sehr schön: Individuelle Förderung, Inklusion, neue (spannende) Lernkonzepte.
    Aber: Diese Dinge sind Ursache für die Malaise, nicht deren Lösung!
    Und was den Computer angeht: Lernen die Kinder dadurch mehr? Rumänien hat sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht und den Unsinn wieder eingestampft, von wegen, jedem Schüler seinen Laptop.
    Wir erinnern uns doch an die ach so tollen Sprachlabore, die teuer angeschafft wurden und später nur noch als normale Klassensäle verwendet wurden. Etwas mehr Realitätssinn!

    LG

    Franz

    • Lieber Franz,

      vielen Dank für deine Meinung zum Thema und die ausführliche Erläuterung. Ich weiß natürlich nicht, woher du deine Informationen bezüglich des Grundwortschatzes beziehst. Was ich aber sicher beurteilen kann, sind die Fähigkeiten, die meine beiden Kinder (10 & 12) in ihren Schulen bisher vermittelt bekommen haben.
      Beide verfügen über einen hervorragenden Wortschatz und wenden diesen auch adäquat an.
      Rechtschreibung und Grammatik sind ausgezeichnet, ebenso ihre mathematischen Fähigkeiten und Kenntnisse. Natürlich sind meine Kinder weder repräsentativ noch aussagekräftig für die gesamte Republik. Ein Verbrechen lässt sich aber für mich nicht erkennen.

      Meine Kenntnisse zu rumänischen Lernkonzepten sind auch gleich null. Was ich aber ganz sicher weiß ist, dass Computer und das Internet aus unserem Leben so schnell nicht wieder verschwinden werden. Und aus genau diesem Grund halte ich es für unabdingbar, dass Kinder frühzeitig einen sinnvollen und verantwortungsbewussten Umgang mit dieser Technik erlernen.

      Ach, eine Ergänzung noch: Ich bin täglich mit Erwachsenen konfrontiert, die in der von dir gelobten Zeit zur Schule gegangen sind, und leider nicht im Ansatz in der Lage sind, korrekte Sätze zu formulieren, schon gar nicht schriftlich.

      Besten Gruß

      Nicole

  2. Hallo Claudia, ich verrate dir meine Meinung: (Grund-)Schule ist heute viel, viel toller als früher. Zumindest in dem Bereich, in dem ich es wirklich beurteilen kann. Das heißt, die Grundschule meiner Kinder ist so viel besser als meine es war. Angefangen bei der Größe der Klassen bis hin zur individuellen Förderung und spannenden Lern-Konzepten. Liebe Grüße

  3. Hallo Nicole,
    gute Auseinandersetzung mit dem Thema. Ich denke nicht, dass die Schule früher besser war, es war nur anders. Mit Fremdsprachen spielerisch früher anzufangen, finde ich sehr sinnvoll. Ich denke, dass die Unterschiede auch durch die Erziehung entstanden ist, die heute anders ist als früher. Auch der technische Fortschritt spielt eine Rolle (Beispiel Computer in Schulen).
    Viele Grüße
    Claudia

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