mal ehrlich …!
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Mini Me? Bitte nicht!

Mini Me

Es ist wohl das beliebteste Spiel aller Verwandten und Bekannten: Wem sehen die Kinder besonders ähnlich und wer hat welche Talente (nicht) geerbt?

Und dagegen ist von Haus aus ja auch gar nichts zu sagen. Natürlich geben wir unsere Gene weiter, faszinierenderweise bei jedem Kind in anderer Kombination. Und vermutlich half es schon in der Steinzeit, sich durch klar-erkennbare Gemeinsamkeiten, einer Sippe zugehörig zu fühlen.

Ganz der Papa!

Auch ich habe einen Sohn, bei dem auf den ersten Blick alle sagen: OH, der sieht seinem Vater aber ähnlich. Und natürlich freut der Papa sich dann, es stärkt ein bisschen die Verbundenheit, der kleine und der große Mann fühlen sich wie ein cooles Team – und das sind sie auch.

Die Stroscheins

Foto: Nicole Stroschein

Wenn ich den gleichen Jungen anschaue, sehe ich meine blauen Augen. Und – verrückte Kiste – seine Schwester hat sie auch. Trotzdem gehe ich davon aus  weiß ich, dass ich sie mit braunen Augen genauso lieben würde.

In vielen Situationen mit meiner Tochter erkenne ich mich, oder die kleine Nicole, wieder. Das ist mal mehr und mal weniger erhellend, denn nicht immer ist der Spiegel schmeichelhaft. So oder so ist sie die tollste Tochter, die ich bekommen konnte, eh klar.

Auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit!

Aber zurück zu dem beliebten Ähnlichkeiten-Raten der Verwandtschaft. Seltsamerweise scheinen die Kinder, um die es dabei geht, die Sache meistens nicht ganz so großartig zu finden, wie Tante Lotte und Opa Gerd. Oft sieht man sie verlegen auf ihre Schuhspitzen starren, wenn das große Vergleichen ansteht. Die Mutigeren rollen genervt mit den Augen.




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Und womit? Mit Recht! Sie möchten nämlich als eigene Persönlichkeiten gesehen werden. Und das sind sie auch – wenn wir sie lassen.

Mini Me? Bitte nicht!

Es mag vielleicht etwas überzogen klingen, aber wenn bei facebook Menschen Fotos von sich und ihren Kinder posten (was man vielleicht ohnehin ruhig einmal seltener tun sollte) und diese stolz mit dem Beiwort „mini me“ kommentieren, also „kleines ich“, dann stellen sich mir die Nackenhaare hoch. Kann sein, dass es einfach nur harmloser Ausdruck von Liebe ist. Für mich fühlt es sich dann manchmal an, als würden die Eltern ihre Kinder mit Erwartungen überfrachten, die nicht angebracht sind.

Wir kennen sie alle, die gescheiterte Prima-Ballerina, die nun hofft, dass ihr Töchterchen es ganz weit bringt. Oder den erfolgreichen Geschäftsmann, der erwartet, dass sein Sohn das Unternehmen übernimmt. Ja, es gibt diese Typen auch noch im Jahr 2015.

Gebt ihnen Flügel

Gescheiterte Pläne und Ziele, verlorene Träume und manchmal auch die eigene, verletzte Seele – es ist kein Kleinkram, den manche Menschen ihren Kindern aufbürden. Und viele schleppen ihr Leben lang damit rum. Nicht, weil die Eltern böse sind, viele wissen es gar nicht besser, sie haben ihr Päckchen ja selbst „vererbt“ bekommen.

Die Folge: die vielzitierten Flügel, mit denen unser Nachwuchs in sein Leben flattern sollte, bleiben oft aus, oder sie taugen nicht zum Fliegen. Das kann es nicht sein, was wir für unsere Kinder wollen.

Und deshalb: Versucht eure Kinder als das zu sehen, was sie sind: Eigene Persönlichkeiten, und nicht kleine Kopien eurer selbst. Ihr selbst hattet kein Talent für Mathe? Na und – sagt den Kinder trotzdem: Klar kannst rechnen und niemals ach, das brauchst du nicht, das konnte ich auch nicht. Stärkt sie und lasst sie los. Wenn dann noch eure schönen blonden Locken geerbt haben – umso besser!

Dieser Text ist unser Beitrag zur Blogparade von mama on the rocks.

Foto: Elke Barbara Bachler / pixelio.de




7 Kommentare

  1. Pingback: Goodbye 2015 – Welcome 2016

  2. Deinen Beitrag habe ich sehr gerne gelesen! Du hast recht, wir sollten die Kinder nicht als Mini-Me’s empfinden, sie sind eigenständige Persönlichkeiten. Aber es ist auch schön, wenn man ein Stück seiner selbst in den Kindern wiederentdecken kann. Alles Liebe Dir <3!
    LG
    Séverine

  3. Ich kann mich an meine eigene Kindheit erinnern. Wahlweise hieß es bei Familienfeiern: Ganz der Vater, oder: Ganz die Mutter. Je nachdem, bei wessen Familienfeier wir gerade waren. Beide Eltern waren blond und blauäugig, das hat meist schon gereicht, um Ähnlichkeiten auszumachen. Mein Bruder rollte nur mit den Augen, ich habe irgendwann einmal gesagt, das könne gar nicht sein, weil ich adoptiert worden wäre. Das hat alle so verblüfft (war natürlich Quatsch), dass erst mal Ruhe war. 🙂

  4. Pingback: Mini Me? Bitte nicht! | Heikes Projekte

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