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Blogparade: Bin ich eine Babymama? – Gedanken einer Mutter

babyfrage

Unsere Blogparade zur Babyfrage hat viele zum Nachdenken angeregt, fast 30 Beiträge sind entstanden, einige Diskussionen ins Rollen gekommen.

Eine Mutter, die selbst keinen Blog hat, schrieb ihre Gedanken bei facebook auf. Wir freuen uns, ihren Text hier bei uns auf dem Elternhandbuch veröffentlichen zu dürfen – sie nimmt uns mit in ihren Alltag mit zwei Kleinkindern:

Leben mit zwei Kleinkindern

Ich bin 38 Jahre alt und habe 2 Wunschkinder: Das Schätzlein, fast 3 Jahre alt und der Muck, knapp eineinhalb Jahre alt. Unsere Baby-Babyzeit ist also erst 4 Monate her, noch gar nicht so lange. Den Mann dazu habe ich übrigens auch; ohne den hätte es den reellen (!) Wunsch nach Kindern nicht gegeben. Soviel zu uns.

In meinem früheren Leben vor den Kindern habe ich immer großspurig getönt: „Klar will ich Kinder haben … Spääter!“ Die Schwangerschaft stellte ich mir problemlos vor; „aber die Geburt soll bitte jemand anderes für mich übernehmen!“ Mit Babys konnte ich damals nicht wirklich etwas anfangen – ich hätte im Leben nicht gefragt, ob ich mal eins hochnehmen dürfte; das hätte ich aufdringlich gefunden und außerdem fühlte ich mich zu unbeholfen. Für mich lagen Babys auch immer nur herum und brauchten dazu noch eine 24 Std.-Betreuung. Also auch noch aufwendig das Ganze. Ich fand Babys ganz niedlich, aber sie waren mir fremd.

Kein Babygen im Blut?

Ich konnte mir mich in der notwendigen Bespaßerrolle auch nicht vorstellen. Es gibt aber ja Menschen, die haben ein Babygen im Blut. Die gehen initiativ auf die Kleinen zu und können sie unterhalten oder sie vom Weinen ablenken. Bewundernswert! Andere entwickeln beim Anblick von fremden Babys ja sogar Alleinunterhalterqualitäten. Mit Babysprache.

Dann werden die Kleinen auch gerne mal angefasst. Ungefragt und überall. An den Händen, im Sommer an den nackten Füßen, am besten noch im Gesicht herumgetätschelt. Fies. Distanzlos!

Bei meinen Kindern bin ich da rigoros zur Löwin mutiert und habe nett aber bestimmt gesagt: „Bitte fassen Sie mein Baby nicht an!“ Zack. Hat eigentlich immer gewirkt. In der U-Bahn zum Beispiel. Eben noch die Hände in der Halteschlaufe eingehakt und dann den Schmu ins Gesicht des Schätzleins getatscht? Auf gar keinen Fall! Aber zurück zum Thema.

Baby im Anmarsch

Als es dann soweit war – ich DEN Mann getroffen hatte und mit dem Schätzlein schwanger war – da änderte sich natürlich alles.

Meine Schwangerschaft war toll und erstaunlicher Weise war ich äußerst entspannt mit allem (sonst so gar nicht meine Art). Das Schätzlein war schon im Bauch sehr personifiziert für uns und gar nicht gesichtslos. Wir hatten ein Profilultraschallbild von ihr, wir hatten ihren Namen schon sehr früh festgelegt und kommunizierten ihn auch. So wusste jeder, dass ‚das Schätzlein‘ kommen wird und nicht ‚irgend ein Baby‘. Ich liebte sie schon da sehr, sehr und sie kam dann auch mit einer Traumgeburt zu uns (wenn man bei einer Geburt überhaupt von einem Traum sprechen kann!).

Dass diese Geburt mein ganzes Leben verändern würde, damit hatte ich gerechnet. Ich war ja vorbereitet. Aber es haute mich trotzdem mit unerwarteter Wucht um. Horrrrrmoone! Mamasein! OH MEIN GOTT! Mache ich jetzt alles falsch oder auch was richtig? Ich liebe die Kleine so sehr! Merkt sie das? Wenn sie stundenlang brüllt – warum weiß ich nicht, was sie will? Klappt das mit dem Stillen? Hoffentlich mache ich sie nicht irgendwie kaputt! Herrje …! Ich war wirklich ziemlich durchgewummert. Und das nachhaltig. Aber genau wie die Schwangerschaft und die Geburt klappte auch der Rest im Großen und Ganzen so, wie ich mir das gewünscht hatte.

Alles steht Kopf

Das Einzige, das wirklich hart war: Sie brüllte. Jeden Abend. Mindestens 2 herzzerreißende Stunden lang, fast 6 Monate. Wir haben alles versucht und nix gefunden, was wirklich half. Das war ganz schön frustrierend, dazu der permanente Schlafmangel … hart. Dann war’s irgendwann vorbei; einfach so.

Bepunkt, Schätzlein & Muck

Foto: privat

Sehr viel Wert lege ich bis heute auf’s Stillen – zum Glück kein Problem. Sie trank, machte die Windeln voll. Sie schlief. Halt tagsüber, nicht nachts. Wenig Schlaf – war aber auch ok. Man gewöhnt sich an diese komische Benommenheit. Das Gefesselt sein beim Stillen – täglich ja mehrere Stunden – auch irgendwie in Ordnung. Die Kinder verlangen ihrer Mama ja viel ab – und das dürfen nur sie; jedem anderen würde man einen Vogel zeigen.

Ich habe dann eben vormittags mit ihr zusammen nachgeschlafen. Aber Pünktlichkeit war in dieser Zeit ein Fremdwort. Man muss ja an so viel denken! Ständig organisieren und dann packen und schleppen, diese eewige Schlepperei! Man kann die Kleinen ja auch nicht mal eben irgendwo abstellen, die fallen ja noch um. Ich habe beide Kinder sehr lange sehr viel getragen – oftmals gleichzeitig, in 2 Tragegurten. Einer vorm Bauch, die Andere auf dem Rücken.

Wenn kleine größer werden …

Heute bin ich froh, dass sie laufen und sprechen können. Nur: Jetzt laufen sie eben auch – wohin sie wollen! Auch nicht besonders bequem für mich.

Die Entwicklung bringt aber auch große Vorteile mit sich. Z. B. macht das Schätzlein ihre Geschäftchen jetzt in die Toilette. Und putzt immer fleißig nach. Hammer! Und ich kann ihre Entwicklung ja sowieso nicht aufhalten, obwohl ich mir in jeder Phase wünschte, dass die Zwei einfach so bleiben, wie sie sind. Verrückt.




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Ich war und bin natürlich stolz auf alle Errungenschaften. Auf der anderen Seite dachte ich immer: Oh Gott, das ist jetzt AUCH schon wieder neu. Und Neues bedeutet ja gleichzeitig auch immer ein Abschied von etwas Altem. Man verabschiedet sich als Mutter ständig von Gewohnheiten und Gegebenheiten, an die man sich gerade so schön gewöhnt hatte.

Angefangen mit der Geburt. Schwupp – tschüss Schwangersein! Ab in den Kindergarten – tschüss innigste Intimst-Babyzeit. Alles gar nicht so einfach für ein blutendes Mutterherz. Die Zeit mit Kindern geht nämlich noch tausendmal schneller rum als sonst. Mit dem ersten Kind geht‘s noch, aber beim Zweiten… komme ich nicht mehr mit. Oft trauerte ich der schönen Zeit hinterher – ich versuche aber damit aufzuhören und stolz auf jede große und kleine Errungenschaft zu sein.

Damals habe ich mich ganz bewusst von meinem bisherigen Leben verabschiedet. Das war jetzt nicht ausufernd oder so, aber so ein Kind verändert doch alles; die Prioritäten verschieben sich. Das Paarleben existiert (eine Zeit lang) nicht und dann muss man darauf achten, dass es doch wieder existiert, sonst wird’s doof. Freundschaften werden auf die Probe gestellt; vor allem die mit denjenigen, die (noch) keine Kinder haben. Ich musste mich als Mutter-Frau neu finden (und bin immer noch dabei!).

Baby Nr. 2

Als wir mit unserem ersten Kind gefühlt aus dem Allergröbsten raus waren, das Schätzlein kaum 17 Monate alt, da kam der Muck hinterher.

Bepunkt und der MuckOk, es war nicht so überraschend, wie das jetzt hier steht. Wir hatten den Muck schon geplant. Allerdings war er ein Frühbucher. Als er kam, konnte das Schätzlein gerade laufen. So hochhochschwanger ständig gebückt laufen, um sie zu halten oder vom Boden aufzusammeln, das war kein Spaziergang. Und 4 Tage nach der Geburt wieder auf den Spielplätzen dieser Stadt zu stehen auch nicht.

Aber ich wusste noch nicht, dass die ganz harte Zeit gerade erst anfing. Damals betreute ich beide Kinder komplett. Frühstück, Muck-Schlaf, Vormittagssnack, Schätzlein-Schlaf, Mittagessen, Mittagsschlaf und das ganze Schlamassel …Der Muck konnte nicht gut an der Brust trinken – er hat es einfach nicht gepeilt! Jetzt kann er es aber und er darf immer noch trinken, wenn er es möchte.

Zudem sind wir bis heute mit 2 wirklich schlechten Schläfern ‚gesegnet‘. Diese Zeit war zuweilen „heavy metal“, wie ich zu sagen pflege. Ständiges Gejaule. Stillte ich den kleinen Muck, war das Schätzlein eifersüchtig und motzig. Motzte sie, weinte er. Weinte sie. Solidarität. Schreeeecklich. Wo anfangen? Wen zuerst trösten? Sie waren ja beide noch so klein.

Die Grenze der Belastbarkeit

Fast ein ganzes Jahr haben mich meine Kinder mehr oder weniger täglich an die Grenze meiner Belastbarkeit gebracht und manchmal auch darüber hinaus. Einmal bin ich im Winter barfuß um 23 Uhr im Unterhemd und Joggingbuchse aus dem Haus gerannt. Schreiend. Weil der Muck seit 10 Monaten abends im stündlichen Rhythmus kontrolliert, ob ich auch wirklich noch da bin. JEDEN bekackten Abend. Mit zu wenigen Ausnahmen. Wäre ich nicht rausgelaufen, hätte ich ihn wahrscheinlich aus dem Fenster geworfen. Also – aus dem Erdgeschoss. Zumindest hatte ich ihm das angedroht.

Das Nichtschlafen macht er übrigens solange, bis ich mich neben ihn lege. Dann schläft er auch mal 3 Std. am Stück. Wir sagen uns immer: „Das ist nur eine Phase.“ Das Problem: Wir wissen, dass nach dieser Phase die nächste Phase kommt. Und die ist garantiert anders, aber NICHT besser! Egal, wir lieben die beiden trotzdem abgöttisch und es gibt natürlich die schönen Zeiten und Momente. Und irgendwann werden sie alle laufen, essen, lesen, Zähne putzen UND schlafen. Und das dann länger als uns lieb sein wird.

Ohne Baby kein Kleinkind …

Bin ich also eine Babymutter? Hm. Ich bin keine Babymutter, denke ich. Ich raste auch heute noch nicht aus, wenn ich andere Babys sehe. (Ok, Babys von Freunden sind nochmal ein anderer Schnack.) Aber ich habe leicht reden: Ich HABE heute kein Baby mehr. Ich WAR eine Babymutter und das mit Herz und Seele. Und jetzt bin ich froh, dass meine Kinder keine Baby-Babys mehr sind und schon so viel können. Mein Schätzlein hat mir neulich mit der Zärtlichkeit einer fast 3-Jährigen übers Gesicht gewatscht und gesäuselt: „Hmmmamma…es is ssön, dassu daa bis!“ – Ein Glück, dass sie das jetzt kann!

Also: Ohne Baby kein Kleinkind und ohne Kleinkind kein Kind. Das Familienleben ist so facettenreich … Und ich würde alles genauso wieder machen. Auch verrückt.

Seit einigen Wochen geistert mir komischerweise ein Name im Kopf herum. Wilma. Ich habe das meinem Mann verraten. Wilma. Wenn wir also noch ein Baby … bekommen würden… dann wäre Wilma unsere Nr. 3. Mein Mann meint aber, dass wir mit den beiden schon genug zu tun haben und dass Wilma nicht mehr zu uns kommt. Aber wenn Wilma erst mal da wäre …? So ein Baby …? Für uns …? So ein süßes, kleines … „Bäbi…?“

PS: Da ist der Muck wieder erwacht. 2 Std. sind rum – Ich gehe dann mal schuckeln.

Foto: Timothy Biggs

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