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Herausforderungen in der Eltern-Kind-Beziehung – Stärke entwickeln aus deinen Schwächen

Eltern-Kind-Beziehung
Gastbeitrag von Christopher Goer

Den Familienalltag regeln, arbeiten gehen, das Essen auf den Tisch bringen und dabei stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Kinder haben. Machen wir uns nichts vor: Elternsein ist eine Herausforderung – insbesondere dann, wenn die Eltern-Kind-Beziehung aus dem Gleichgewicht gerät.

Angenommen, dein Kind ist um die 12 Jahre alt und wächst bei dir und deinem Partner auf. Als Elternteil bist du die Person, die alles für ihre Kinder regelt: Je nach Situation schaust du voraus, planst, berätst, unterstützt, spendest Motivation oder Trost …

Trotz aller deiner Mühen: Mit dem heranwachsenden Kind kommt es immer wieder zu Streitereien. Statt Dankbarkeit erntest du Unverständnis und Ärger. Dabei tust du dem Kind so viel Gutes! Ist es da zu viel verlangt, dass auch deine Wünsche und Ansprüche an das Kind erfüllt werden?

Das Gegenteil scheint einzutreffen: die Probleme nehmen eher zu. Du reagierst, indem du intensiver versuchst, die Dinge zu regeln und es besser zu machen als zuvor. Kommt dir das bekannt vor?

Gefühlt drehst du dich in einem Teufelskreis. Du strampelst dich ab. Du weißt, dass es eigentlich keinen Sinn ergibt, mit denselben unfruchtbaren Methoden weiterzumachen. Aber du weißt keinen anderen Weg. Wahrscheinlich nimmst du neben deiner eigenen Unzufriedenheit wahr, dass auch die Beziehung zu deinem Kind gerade leidet. Verstehst du, warum? Weißt du, was in deinem Kind vorgeht, während du in angespannten Situationen versuchst, so „stark“ zu bleiben?

Elternrolle und kindliche Wahrnehmung

Dein Kind sieht einen stets funktionierenden Menschen. Einen Elternteil, der zwar ab und an genervt und gestresst wirkt, letztendlich aber immer alles „wuppt“. Was dieser junge Mensch nicht wahrnimmt, ist deine Verletzlichkeit in jenen Momenten, in denen du dir Schwäche erlaubst, selbst keine Lösung weißt oder keine Kraft aufbringen kannst. Du magst dich überfordert fühlen, das Kind kann dies jedoch nicht sehen!

Die einzigen Familienmitglieder, die offen ihre Schwäche und Verletzlichkeit zeigen, sind Kinder. Eltern hingegen präsentieren sich zumeist stark und funktionierend. Wärst du gerne die einzige Person im Arbeitsumfeld, im Freundeskreis oder in der Familie, der schwach ist? Schöner wäre es doch, wenn auch deine Mitmenschen hin und wieder Schwächen einräumen und ihre verletzliche Seite präsentieren würden.

Wie mache ich Schwäche zu meiner Stärke?

Schauen wir uns ein Beispiel aus dem Familienalltag an: Nehmen wir an, dein Kind kommt mit einer sehr schlechten Schulnote nach Hause. Dein Kind ist enttäuscht und du bist es ebenfalls. Schon im Vorfeld hast du es kommen sehen, dass die Leistung nicht gut ausfallen wird: Dein Kind hatte sich in letzter Zeit so lustlos in Sachen Schule gezeigt und nicht gelernt. Die schlechte Note wird zum Anlass für einen großen Streit, weil du deine Kritik an der mangelnden Einstellung angebracht hast: „Ich habe dir doch gesagt, dass es bei dieser Art der Vorbereitung eine schlechte Note geben wird!“

Dein Kind findet, dass du immer nur über seine Leistungen meckerst. Du wirfst deinem Kind vor, zu wenig für die Schule zu tun: Wenn das so weiter ginge, sei seine Versetzung gefährdet! Unschöne Auseinandersetzungen, an die sich die meisten von uns noch gut aus der eigenen Schulzeit erinnern.

Ihr werft einander Schuldzuweisungen zu, Emotionen kochen über. Die Stimmen werden lauter, Tränen fließen beim Kind und vielleicht bald auch bei dir, denn die Wut ist kaum zu bändigen. Womöglich bringst du am Ende sogar das verhasste Totschlagargument der eigenen Eltern: Es wird auf den Tisch gehauen und gerufen: „Ich bin deine Mutter/dein Vater und SO redest du nicht mit mir!“

Einen Streit versöhnlich beenden

Mache deinem Kind ein Gesprächsangebot: Wenn der Streit sich etwas beruhigt hat, bittest du dein Kind sich zu dir zu setzen – wenn ihr mögt, auf deinen Schoß. Erzähle ihm dann von dir und deinen Schwächen, die du als Kind hattest. Berichte von deinen eigenen mangelhaften Schulnoten. Oder von einer schlechten Eigenschaft, z.B. stets aufbrausend gewesen zu sein. „Ich war früher genauso wie du. Ich habe vor allem in Mathe öfter schlechte Noten bekommen, weil ich ziemlich faul war. Danach hatte ich dann richtig Ärger von meinen Eltern bekommen. Ich verstehe dich sehr gut, weil ich ehrlich gesagt auch nicht besser war!“

Was denkst du, kommt jetzt bei deinem Kind an?

Wahrscheinlich wird dein Kind eine große Erleichterung verspüren! Echte Empathie (die Fähigkeit, Empfindungen, Emotionen und Gedanken einer anderen Person zu erkennen, zu verstehen und nachzuempfinden) schafft eine enorme Bindung.

Dein Kind versteht durch deine Offenbarung, dass wir alle Schwächen haben. Es sollte für sich mitnehmen, dass das auch völlig in Ordnung ist – unsere Aufgabe aber darin besteht, aus Schwächen und Fehlern zu lernen. Die emotionale Begegnung auf Augenhöhe und deine Offenheit tut eurer Eltern-Kind-Beziehung gut: Es ist ein Moment der Verbindung, wenn ein tiefes Verständnis auf beiden Seiten stattfindet. Dann genießt ihr erst einmal diesen Zustand.

Anschließend könnt ihr in ruhiger und entspannter Atmosphäre miteinander reden. Besprecht, wie ihr beim nächsten Mal miteinander umgehen wollt und findet kooperative Lösungen.

Tipp: Achte darauf, nicht erneut in die beratende „ich-bin-erwachsen-und-weiß-mehr“-Position zu verfallen. Stattdessen erarbeite gemeinsam mit deinem Kind neue Wege: Wie kann das Kind sich zukünftig besser auf Klassenarbeiten vorbereiten? Wo braucht und möchte es deine Unterstützung? Möchte es in nächster Zeit mehr Einsatz zeigen?

Besprecht eure Streitkultur: Wie wollt ihr miteinander umgehen, wenn ihr unterschiedlicher Meinung seid? Bestimmt entsteht irgendwann wieder ein Streit. Dann aber sicherlich mit einer besseren Qualität.

Erziehung beginnt bei dir selbst

Im Eltern- und Jugendcoaching zeigt sich, dass es häufig die Dominanz des Elternteils ist, die Kinder schlecht aushalten können. Ständig beraten, korrigiert und gelenkt zu werden, macht unzufrieden.

Kooperatives Miteinander hingegen entspannt die Situation. Der Weg dorthin setzt voraus, sich der eigenen Stärken und auch Schwächen bewusster werden.

Letztendlich fängt Erziehung von Heranwachsenden immer bei den Eltern an. Hierzu biete ich in meinen Elterncoachings die Möglichkeit, die eigenen Persönlichkeitsanteile kennenzulernen und genauer zu betrachten. Dieses Wissen hilft dir dabei, dein Familienleben deinen Wünschen entsprechend zu leben: So, dass es allen in der Familie gut und euch der Alltag leichter von der Hand geht. Du wirst glücklicher und zufriedener mit dir selbst und innerhalb deiner Familie.

Der Autor

Christopher GoerChristopher Goer | Elterncoaching – auch online| Experte für Kinder- und Jugendfragen | Speaker

www.chrisgoer.de

kontakt@chrisgoer.de

Tel: 0172 – 93 23 618

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