Wenn die Schule früher halbwegs lief, kann die Pubertät wie ein Bremsklotz wirken. Viele Eltern erleben genau jetzt den ersten echten Lernfrust in der Pubertät: Plötzlich ist alles wichtiger als Lernen – Freunde, Handy, Schlaf, Diskussionen. Und du sitzt daneben und fragst dich, wie du dein Kind erreichen kannst, ohne Dauerkonflikte und ohne das Gefühl zu verlieren, alles entgleitet.
Die gute Nachricht: Jugendliche sind nicht unmotiviert. Sie ticken nur anders. Wenn du verstehst, was dahintersteckt, kannst du Lernfrust abfedern und neue Wege für Motivation öffnen.
Inhalt
- Warum Lernfrust in der Pubertät so häufig ist
- 1. Selbstbestimmung ernst nehmen (aber nicht alles laufen lassen)
- 2. Lernstrategien anpassen – nicht alle ticken am Schreibtisch
- 3. Stärken in den Mittelpunkt rücken
- 4. Alltag erleichtern – ohne alles zu übernehmen
- 5. Verantwortung abgeben – und aushalten, dass es ruckelt
- Gemeinsam weitergehen – Schritt für Schritt
Warum Lernfrust in der Pubertät so häufig ist
In der Pubertät stellt sich das Gehirn einmal auf links. Der Körper wächst, Hormone wirbeln durcheinander, das Belohnungssystem reagiert viel stärker auf schnelle Reize wie Chats, Games, Social Media. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Selbstbestimmung und Abstand von allem, was nach Kontrolle aussieht – besonders von Eltern.
Das führt zu drei typischen Reaktionen:
- Pflichten werden kritischer hinterfragt.
- Konflikte entstehen schneller.
- Lernen rutscht im Alltag nach hinten, einfach weil andere Dinge emotional wichtiger wirken.
Das heißt aber nicht, dass dein Kind nicht weiß, wie wichtig die Schule ist. Jugendliche pendeln oft zwischen „Ich will selbst entscheiden“ und „Ich fühle mich unsicher und überfordert“. Genau hier kannst du unterstützen – nicht mit Druck, sondern mit Raum, Struktur und echten Erfolgserlebnissen.
1. Selbstbestimmung ernst nehmen (aber nicht alles laufen lassen)
Wenn du versuchst, mit klassischen Ansagen zu steuern („Setz dich jetzt hin und lern!“), wirst du in dieser Lebensphase meist direkt blockiert. Das liegt nicht an dir – das liegt am Entwicklungsstand.
Was besser funktioniert:
- Formuliere klare Erwartungen, aber übergib die Kontrolle über das Wie und Wann.
Beispiel:
„Die Mathearbeit ist am Donnerstag. Schau bitte, dass du vorher übst. Du entscheidest, wann es für dich am besten passt.“ - Mach transparent, warum etwas wichtig ist – aber ohne Monologe.
- Biete an, gemeinsam zu planen, falls dein Kind Struktur braucht.
- Halte dich raus, wenn es selbst Wege findet.
Selbstbestimmung ist für Jugendliche kein Luxus, sondern Grundbedürfnis. Wenn du das respektierst, sinkt der Widerstand deutlich.
2. Lernstrategien anpassen – nicht alle ticken am Schreibtisch
Viele Teenager haben längst eigene Vorstellungen davon, wie sie am besten lernen. Nicht immer passt das zur idealen Schreibtisch-Szene, die Eltern im Kopf haben.
Lass dein Kind ruhig ausprobieren:
- Musik beim Lernen
- digitale Karteikarten
- Lernen im Café oder auf dem Sofa
- Lernen in kurzen Einheiten statt langer Blöcke
- Bewegung beim Vokabeln üben
- YouTube-Erklärvideos statt Schulbuch
Wichtig ist nicht die Methode, sondern der Erfolg. Wenn dein Kind eigene Wege findet, stärkt das die Motivation und das Selbstvertrauen – und du vermeidest unnötige Diskussionen über „den richtigen Weg“.
3. Stärken in den Mittelpunkt rücken
Pubertierende wirken oft cool und unbeeindruckt, aber innerlich kämpfen viele mit Unsicherheit. Ein negatives Selbstbild ist einer der häufigsten Gründe für Lernblockaden.

Foto: Tony Tran / unsplash.com
Was du tun kannst:
- Betone Stärken und Fortschritte, auch kleine.
- Mach Mut, statt zu bewerten.
- Zeig, dass Fehler normal sind.
- Koppel Anerkennung nicht nur an Leistung.
Du musst dein Kind nicht überschütten – kurze, echte Sätze reichen völlig:
„Ich sehe, dass du dranbleibst.“
„Das hast du gut gelöst.“
„Ich traue dir das zu.“
Lob prallt nicht ab, selbst wenn es äußerlich so wirkt. Es stabilisiert die innere Haltung – und die entscheidet, ob Jugendliche überhaupt anfangen.
4. Alltag erleichtern – ohne alles zu übernehmen
Jugendliche in der Pubertät haben oft Schwierigkeiten mit:
- Zeitmanagement
- Prioritäten
- dem Überblick über Termine und Aufgaben
- dem Loslegen (Anfangswiderstand)
Hier kannst du praktisch unterstützen, ohne zu kontrollieren:
- Gemeinsam Wochenpläne sichtbar machen
- Aufgaben in kleine Schritte zerlegen
- feste „Ruhezonen“ fürs Handy vereinbaren
- Lernumgebung vereinfachen (weniger Chaos, weniger Ablenkung)
Du bist kein Coach und keine Projektleitung – aber du kannst Rahmen schaffen, in dem Motivation wieder möglich wird.
5. Verantwortung abgeben – und aushalten, dass es ruckelt
Lernen in der Pubertät bedeutet immer auch Loslassen – auf beiden Seiten.
Dein Kind muss erleben dürfen, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen. Und du brauchst Vertrauen, dass Entwicklung nicht linear läuft.
Dazu gehört:
- weniger kontrollieren
- mehr zutrauen
- Gespräche anbieten, nicht erzwingen
- Rückschläge nicht dramatisieren
Du musst das nicht perfekt machen. Jugendliche brauchen keine perfekten Eltern, sondern verlässliche, ansprechbare Erwachsene.
Wenn ihr im Dialog bleibt und dein Kind spürt, dass du an seiner Seite bist – nicht über ihm –, kommt ihr gemeinsam gut durch diese Phase.
Gemeinsam weitergehen – Schritt für Schritt
Motivation in der Pubertät entsteht nicht durch Druck, sondern durch Nähe, Vertrauen und klare Rahmenbedingungen. Du musst nicht jeden Lernmoment retten und auch nicht jedes Tief auffangen.
Entscheidend ist, dass dein Kind spürt: Du bleibst erreichbar, du gibst Raum, du glaubst an seine Fähigkeiten.
Mit dieser Haltung wächst im Hintergrund etwas sehr Wertvolles – die Einsicht, dass Lernen kein Kampf sein muss, sondern ein Teil des eigenen Weges. Und genau das trägt Jugendliche weiter, als jede perfekt geplante Hausaufgabenroutine es je könnte.

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