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Kindergeburtstag im Drachenlabyrinth

Drachenlabyrinth

Topfschlagen und Wattepusten war früher. Heute liegt es schwer im Trend, Kindergeburtstage außer Haus zu feiern. Im Indoor-Spielplatz oder auf der Cart-Bahn, im Schwimmbad, auf der Bowling-Bahn oder im Drachenlabyrinth.

Drachenlabyrinth? Ja genau, im Drachenlabyrinth. Falls es euch beruhigt: Ich habe den Begriff auch vor wenigen Wochen zum ersten Mal gehört.

Geburtstagsparty im Drachenlabyrinth

Es begann alles damit, dass ein Freund meines Sohnes in dieser sagenumwobenen Location, mitten in Hamburg, seinen Geburtstag feierte. Als die Herrschaften zurückkehrten, zeigten sie sehr stolz einen Haufen Karten und sprachen ständig davon, welchen Rang sie dank enormer Cleverness und todesmutiger Tapferkeit nach dem dreistündigen Event innehatten. Ich versuchte so gut wie möglich, die Sache zu ignorieren. Bis irgendwann an mein Ohr drang, dass auch wir un-be-dingt dort den neunten Geburtstag feiern sollten.

Nun bin ich grundsätzlich ein großer Fan von Geburtstagen außer Haus. Ersparen sie mir doch eine Horde kreischender Kinder und undurchdringliches Chaos in meinen eigenen vier Wänden. Ein Besuch auf der Homepage des Drachenlabyrinths verriet mir folgendes:

Willkommen im DRACHENLABYRINTH

„Tritt ein in eine Welt voll Abenteuer und Geheimnisse. Beginne Deine Reise vom Abenteurer zum Helden. Werde Teil der unglaublichen Geschichte des Landes Septhaven.“ (Achsoooo) Und weiter: „Als Ritter oder Zauberer erkunden die Kinder gemeinsam die Geheimnisse der alten Drachenburg. Dort warten allerlei Aufgaben und Rätsel auf die mutigen Helden: Dunkle Gänge, die erforscht werden wollen, finstere Kreaturen, welche den Weg versperren und nicht zuletzt die geheimnisvollen Dracheneier. Ein Spaß für Kinder ab 6 Jahre, Jugendliche und alle jung Gebliebenen.“

(Na dann …)

Ich beschloss, die Sache nicht weiter zu hinterfragen und stellte erstaunt fest, dass an unserem Wunschtermin zu unserer Wunschzeit nur noch ein einziger Geburtstagstisch frei war. Allerdings nicht irgendein Geburtstagstisch sondern nur noch die sogenannte Königssuite … Kostenpunkt: 6 Euro pro Kind und Stunde (empfohlen sind drei Stunden. Das Geburtstagskind hat freien Eintritt, seine Eltern ebenfalls), plus 33 Euro für die Suite. Da wir mit insgesamt 6 Kindern anreisten, ergab das 90 + 33 Euro, also 123 Euro. Keine Kleinigkeit, aber ich buchte den Spaß trotzdem. Im Preis inbegriffen sind Getränke, der Raum und eben alles, was für das Spiel an sich nötig ist. Auch eine Einführung. Genau nachlesen kann man das alles hier.

Der große Tag

Kurz vor Beginn der Veranstaltung um 15 Uhr auf den Parkplatz des Einkaufszentrums zu fahren, in dessen Keller sich das Drachenlabyrinth befindet, war keine richtig gute Idee. Weil zu diesem Zeitpunkt gefühlte 3 Millionen Kinder anreisen, um dort ihren Spaß zu haben, stapelten sich die Autos regelrecht. Zirka fünf Minuten zu spät hetzten wir also die Treppe des Einkaufzentrums runter, um uns plötzlich in gefühlten 3 Millionen Kindern mit Masken, Umhängen, Schutzschildern und ähnlichem Equipment wiederzufinden. Es dauerte weitere 10 Minuten, bis ich in der Lage war, in dem Gewühl jemanden zu finden, der uns zu unserer Suite führte und die sogenannte Einführung in das Spiel für die Kinder übernahm.

Ich gebe zu: Ich wäre am liebsten einfach wieder nach Hause gefahren. Menschen- und Kinder-Ansammlungen dieser Art sind einfach nicht meine Welt.

Nun: Sobald wir in unserem Séparée waren, wurde schlagartig alles gut. Die Suite war jeden einzelnen der 33 Euro wert! Alle anderen Geburtstagstische befinden sich nämlich in einem großen Saal, wo natürlich ein dementsprechender Geräuschpegel herrscht. Wer keinen Tisch hat und einfach so zum Spielen in das Labyrinth kommt, sitzt mehr oder weniger auf dem Gang vor der Rolltreppe an kleinen Tischen oder sogar auf dem Fußboden …

Wir aber hatten den bezaubernden kleinen Raum für uns. Kuchen und Süßigkeiten hatte ich selbst mitgebracht. Ein Pluspunkt für das Labyrinth. Vergleichbare Einrichtungen erlauben das oft nicht, weil sie stattdessen ihre eigenen Snacks für horrendes Geld verkaufen wollen.

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Weiteres Riesenplus für das Drachenlabyrinth: Egal wie viele Kinder in welcher Lautstärke Fragen, Wünsche oder Sorgen haben – die Mitarbeiter bewahren IMMER die Ruhe, sind unglaublich nett und geduldig. Wunderbar!

Zur Sache, Drache …

Was das eigentliche Spiel angeht, will ich mal ehrlich sein: So ganz habe ich nicht verstanden, was passiert.

Ich fasse es mal so zusammen: die Spieler bekommen unterschiedliche Rollen zugewiesen. Sie sind z. B. Krieger, Elfen, Magier oder Heiler. In der fiktiven, irgendwie mittelalterlich anmutenden Welt lösen sie Aufgaben, betreiben regen Tauschhandel mit den unterschiedlichsten Waren und versuchen so, einen höheren Status zu erlangen (Aufleveln!). Immer wieder tauchen sie ein in die dunkle Welt des Labyrinths. Hier kommt es zu Scharmützeln mit bösen Gestalten (es gibt sogar Orks …) und es geht um Leben und Tod (mindestens).

Meine Aufgabe war – neben Kaffee trinken und wichtig gucken – die Verwaltung der Güter (in Form von Karten) und der Tauschhandel mit selbigen. Trotzdem ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, mich auch in das dunkle Labyrinth zu schleichen. Ich sage es mal so: es ist ziemlich dunkel im Inneren, teilweise sehr, sehr dunkel. Und dann wird man immer wieder von maskierten Gestalten angegriffen, die aber zum Glück von einem ablassen, wenn man versichert, dass man nicht mitspielt (puh …).

Mein Fazit

Insgesamt waren wir drei Stunden vor Ort. Nach anfänglicher Verwirrung fühlte ich mich bald recht wohl. Trotz der vielen, vielen Kinder, all dem Gewusel und Geschrei ist die Atmosphäre durchaus angenehm, weil alle wirklich freundlich miteinander umgehen.

Meine kleine Truppe Neunjähriger brauchte ein Momentchen, um sich zu sammeln, legte dann aber hochmotiviert los. Schnell stellte ich fest, dass die Herren anfingen, als Team zu agieren und gemeinsam die besten Strategien für das Spiel zu entwickeln. Immer eine gute Sache, wie ich finde.

Etwas schwierig fand ich die Einschätzung einiger Teilnehmer, die meinten: „Böse ist cool. Ich möchte auch gern böse sein …“ DAS sehe ich nämlich ganz anders. Aber ich habe generell für dunkle Welten nur sehr wenig Verständnis … Insgesamt war es definitiv ein gelungener Nachmittag und alle Teilnehmer möchten unbedingt zurückkehren an diesen geheimnisvollen Ort.

Ein Punkt, über den man sich im Klaren sein sollte, bevor man einmal mit dieser Drachenlabyrinth-Geschichte anfängt: Das Spiel ist so angelegt, dass es ein bisschen süchtig macht. Sprich: die Kinder wollen immer weiterspielen und immer wieder dort hin. Das kann auf Dauer ganz schön teuer werden. Grundsätzlich gibt es aber sicher deutlich schlimmere Arten, Kindergeburtstage zu feiern 🙂

Fotos: Nicole Stroschein

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