mal ehrlich …!
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Tanten sind wie Mamas – nur viel cooler!

Coole Tante - coole Nichte!

Tanten sind wie Mamas – nur viel cooler!

Dieser Satz kam gerade auf Facebook an mir vorbei und dazu möchte ich jetzt tatsächlich mal etwas loswerden. Etwas zum Thema Tanten, die selbst keine Kinder haben, wie sich das für mich anfühlt, warum das manchmal schlimm ist und manchmal nicht.

Plötzlich Tante

2003 bin ich Tante geworden, einfach so. Es fragt einen ja auch niemand, ob man das möchte, ob man dazu bereit ist. Das ist man plötzlich einfach, ganz ohne Vorbereitung.

Natürlich habe ich mich gefreut, als meine Schwester schwanger wurde, klar! Aber wie es dann wirklich war, als ich meine Nichte kennenlernte, damit hatte ich nicht gerechnet.

BÄM – schockverliebt!

Barfin CarlottaWir haben uns gesehen und sofort war es da, ein unzertrennliches Band zwischen uns beiden. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Bedingungslose Liebe, das kannte ich vorher so nicht. Wie eine Elefanten-Herde hat sich meine Familie um dieses kleine Wesen gestellt, um es zu beschützen und groß zu ziehen. Wir alle miteinander.

Und das ist bis heute so, wenn es um meine Nichte geht, dann sind wir eine große Einheit, egal, was für Befindlichkeiten wir untereinander manchmal haben. Dieses Gefühl ist großartig und ich staune immer wieder, wie es so plötzlich entstehen konnte 🙂

Erziehung und so …

Da war sie nun also – meine kleine Nichte. Große braune Augen, die neugierig in die Welt blickten und ganz viel sehen und erleben wollten.

Die Basics lernte sie dann natürlich zuhause bei ihren Eltern. Laufen, sprechen und so weiter – so soll es sein! Geborgenheit, Liebe, Verständnis – zuhause ist ein sicherer Hafen, das ist ganz wichtig.

Aber es gibt halt auch Dinge, für die braucht man eine coole Tante!

Skifahren, Tennis spielen, Cabrio fahren, nachts noch Filme gucken, obwohl man doch erst 6 Jahre alt ist, das geht besser im Urlaub bei der Tante. Da gibt es keinen Alltag mit früh morgens in die Schule müssen oder blödes Zimmer aufräumen. Bei der Tante in Köln sind immer Ferien und die plant auch immer extra viele schöne Unternehmungen, damit die wenigen gemeinsamen Tage etwas ganz Besonderes werden.

Schminktipps, hohe Schuhe und coole Stiefel – dafür bin ich zuständig. Meine Schwester und ich sind uns da sehr einig. Jeder bringt meiner Nichte bei, was er am besten kann und davon profitiert sie natürlich. Denn so bekommt sie viel mehr zu sehen, als wenn sich die ganze Erziehung nur auf den Input von zwei Personen beschränken würde.

Im Koffertrolley durch die Wohnung toben? Ganz klar Tanten-Aufgabe. Kochen und backen? Das hat sie eindeutig bei Mutti gelernt. Wildes surfen auf der dem Sorpe-Stausee? Gut, wenn man dafür eine sportliche Tante hat. Schnürsenkel binden und alleine anziehen? Da hat Mutti mit ihr geübt und geübt. Kinder-Kino bis spät in die Nacht mit Sushi und Unmengen von Süßigkeiten? Das gibt’s nur bei der Tante in Köln.

DU magst Kinder?

Das fragte  mich tatsächlich ein Bekannter, als ich ganz begeistert vom ersten Besuch meiner Nichte ganz alleine bei mir in Köln erzählte. Wie schön wir es miteinander hatten und wie sehr ich mich darüber gefreut habe.

„DU magst Kinder? Das hätte ich nicht gedacht!“

„Warum das?“

„Weil du keine hast.“

BÄM – das tat weh. Doll weh. Ganz doll weh.

Ich habe überlegt, ob ich eine böse Retourkutsche formuliere, sowas wie „magst du keine Freunde und keinen Erfolg?“, aber ich habe mich dagegen entschieden. Das hätte vielleicht kurzfristig Erleichterung gebracht, wäre aber letztlich genau so böse gewesen wie dieser unbedachte Satz meines Bekannten.

Stattdessen möchte ich folgendes dazu sagen:

Du hast doch keine Ahnung!

Ja genau, ich habe keine Kinder und daher keine Ahnung.

Zumindest keine Ahnung, wie es ist, dauerhaft mit kleinen Menschen zusammen zu wohnen. Sie jeden Tag beim Aufwachsen zu begleiten. Sie jeden Morgen zu wecken und jeden Abend ins Bett zu bringen.




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Ich bin nur manchmal in Gesellschaft von Kindern. Manchmal nur ein paar Stunden und wenn es hochkommt, dann maximal für zwei Wochen am Stück.

Ich bin nur die Tante und ich habe keine eigenen Kinder.

Aber habe ich daher keine Ahnung?

Zuhause ist alles doof!

Irgendwann geht sie los – die anstrengende Zeit der Pubertät. Die Eltern werden spontan uncool, immer noch geliebt, aber leider völlig uncool. Das passiert einfach und Eltern können leider wenig dagegen tun. Das Kind wird groß und dann ist zuhause halt manchmal alles doof.

Wie gut, wenn man dann eine coole Tante in der Familie hat. Wenn zuhause mal wieder alles doof ist, kann man das mit ihr besprechen und fühlt sich nicht allein gelassen von allen Erwachsenen. Und wenn die Tante wirklich cool ist, dann hilft sie sowohl dem Pubertier als auch den Eltern über so manche Kommunikations-Hürde hinweg. Wofür hat man denn Familie?

Auch peinliche Themen, wie z.B. die erste Liebe oder körperliche Veränderungen, bespricht man manchmal so gar nicht gerne mit Mutti oder Vati. Ein bisschen Abstand von zuhause hilft, wenn die Welt mal wieder ganz verwirrend ist und man den Rat eines großen Menschen benötigt.

Latein oder Französisch?

Oma, Opa, Mutter und Tante – wir haben alle das große Latinum. Ganz wichtig sagen die einen, völlig überflüssig die anderen. Muss meine Nichte also auch Latein in der Schule lernen oder ist es besser Französisch zu wählen? Schwierige Frage, vor allem, wenn (fast) alle Erwachsenen einer Meinung sind und man selbst einer anderen.

Latein oder Französisch – darüber habe ich mit meiner Nichte lange diskutiert. Sind Lateinkenntnisse wirklich die Basis für alle weiteren romanischen Sprachen? Was ist, wenn sie auch einmal Arzt werden möchte wie ihre Mutter? Soll sie ihrem Bauchgefühl folgen und französisch wählen oder muss sie sich der Empfehlung von Opa, Oma und Mutter fügen? Welche Argumente kann es gegen die Meinung dieser drei Erwachsenen geben? Gar nicht so leicht, wenn man die Kleinste ist…

In solche Situationen ist eine coole Tante ein echter Gewinn. Denn sie hilft, sich selbst zu sortieren und steht einem bei, wenn man Unterstützung braucht bei der Überzeugungsarbeit gegenüber  Mutter, Vater und den Großeltern.

Auch kleine Menschen sind Menschen

Ist der Umgang mit kleinen Menschen wirklich so viel anders, als der Umgang mit Erwachsenen?

Natürlich sind Kinder noch nicht reif genug, um allein durchs Leben zu gehen. Natürlich müssen sie noch ganz viel lernen und benötigen Begleitung auf ihrem Weg.

Aber gelten für sie denn nicht die gleichen Regeln wie für uns?

Auch wir möchten Respekt, auch wir benötigen manchmal eine helfende Hand, einen Rat, eine Schulter zum Anlehnen, Schutz und Geborgenheit. Niemand ist eine Insel, die ganz für sich alleine existiert. Wir alle müssen jeden Tag mit unseren Mitmenschen klarkommen und uns an gewisse soziale Regeln halten, damit das funktioniert.

Gilt da etwa nicht das gleiche, wie für Kinder? Und kann ich das nicht beurteilen, bloß weil ich keine Kinder habe?

Ich denke, vieles, was ich in den letzten 47 Jahren über den Umgang mit großen Menschen gelernt habe, gilt auch für kleine Menschen. Dazu kommt die überraschende Tatsache, dass ich selbst einmal klein war und mich noch recht gut daran erinnere, welche Nöte, Wünsche und Gedanken damals in meinem Leben eine Rolle spielten.

Betriebsblindheit

Ja, ihr seht eure Kinder jeden Tag. Und natürlich kennt sie am allerbesten. So soll das auch sein.

Aber manchmal verursacht der Alltag auch eine gewisse Betriebsblindheit. Manchmal verschleiert er die Sicht auf die spezielle Situation oder kleine Eigenheiten des Umgangs miteinander. Das ist normal und geht uns auch bei Erwachsenen so.

Ein Blick von außen kann da helfen. Wie beim Thema Latein oder Französisch. Als Tante ist man eben nicht im normalen Alltag verheddert und kann so von außen manchmal leichter die Gedanken entwirren, als wenn man selbst mit im Alltags-Chaos steckt.

Familie

Barfin & HeikeBei der Frage Mutter oder Tante gibt es keine Gewinner, kein besser oder schlechter. Warum auch?

Je mehr Menschen sich liebevoll um ein Kind kümmern, umso besser! Unterstützung kann man nie genug bekommen. Oma, Opa, Mutter, Vater, Tante, Onkel, Freunde und Freundinnen, sie alle bilden einen schützenden Kosmos um das Kind und helfen ihm so in Liebe und Zuversicht erwachsen zu werden.

Was kann es besseres geben?

PS.: Sie hat sich letztlich für Französisch entschieden und ist sehr glücklich mit dieser Entscheidung! An Pfingsten geht es jetzt nämlich mit den Großeltern nach Paris 🙂

Fotos: Heike Lorenz

4 Kommentare

  1. Isabell sagt

    Wow – was für ein offener Artikel! Schön, mal einen Beitrag zu diesem Thema aus einer ganz anderen Perspektive zu lesen.
    Ps: Du bist nicht nur eine „coole Tante“ sondern auch eine wertvolle Bezugsperson für Kinder, mit denen du nicht verwandt bist;)

  2. Also ich find das ja richtig beneidenswert! Bei mir läuft das gaaaanz anders. Ich bring nämlich der kleinen Lana (meinem Patenkind) immer so unnütze Sachen bei (z.B. wie man mit einem schwarzen Edding ältere Lackschuhe wieder in Form bringt). Und dann hat die liebe Mama (meine Schwester) den Salat und muss erstmal wieder eine aufwändige und mühsame Umerziehung durchführen. Ich hab schon Angst, die lassen mich mit ihr nicht mehr allein. 😉

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