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Ariana Grande – Das erste Pop-Konzert und dann …

Ariana Grande Konzert

Es war ihr größter Wunsch zu Weihnachten, meine Tochter (12) wagte kaum, ihn vorzutragen, weil sie dachte, er sei sicher nicht im Bereich des Möglichen.

Ein Konzert von Ariana Grande besuchen, zum ersten Mal mit vielen anderen Fans in einer großen Halle ihren Star sehen und hören.

Ihr Wunsch sollte in Erfüllung gehen und dann von einem unfassbaren Ereignis überschattet werden.

Das erste Konzert – Die Vorgeschichte

Um es gleich vorwegzunehmen: Es war nicht das Konzert in Manchester. Stattdessen fuhren wir nach Dänemark, an einen Ort in the middle of nowhere, namens Herning.

Das einzige Deutschland-Konzert wäre nämlich in Frankfurt am Main gewesen. Und von unserem Wohnort ist man schneller in Dänemark als in Frankfurt.

Die Tickets in Herning kosteten ein Drittel weniger als in Frankfurt – bei einem Preis von 60 Euro pro Ticket (bzw. 90 in Frankfurt) auch ein Argument für Dänemark.

Zudem konnten wir den Trip nach Norden mit einer Nacht im Camper und einem Ausflug zum Strand kombinieren. Cooler und ebenfalls günstiger als Frankfurt. Ich war schon bei der Planung fast so aufgeregt wie meine Tochter selbst als sie ihr Geschenk schließlich in Händen hielt.

Bulli Dünen

Fotos: Nicole Stroschein

Das erste Konzert – Die perfekte Begleitung

Nachdem ich Herning als perfekten Ort für dieses historische Ereignis ausgemacht hatte, überlegte ich gründlich, wer mit ihr das Konzert am besten anschauen könnte.

Eine Freundin mitnehmen? Also zwei zwölfjährige Mädchen zu ihrem Star zu schicken, hätte bedeutet, dass ich auch eine Konzert-Karte gebraucht hätte. Ich stehe aber nicht so sehr auf große Konzerte und mit Ariana Grande habe ich auch nichts am Hut.

Außerdem dachte ich mir: es ist cooler, sowas nicht mit der alten Mutter zu erleben. Da muss eine passendere Begleitung her. Was für ein Glück, dass meine Nichte, also die Cousine meiner Tochter, mit ihren 27 Jahren fast so lässig ist wie Ariana Grande selbst und auch noch Lust auf ein kleines Abenteuer hatte.

Ariana Grande in Dänemark

Im Mai 2017 machten wir uns also auf den Weg nach Norden. Mit Stullen im Gepäck und voller Vorfreude. Herning erwies sich als perfekte Wahl. Kein Stau bei der Anfahrt, kostenlose Parkplätze und reichlich Platz für alle, auch unseren Bulli.

Rund eineinhalb Stunden vor Konzert-Beginn waren wir dort und hatten noch etwas Zeit, die anderen Konzert-Besucher zu beobachten. Unglaublich viele, aufgeregte Teenager und auch viele Kinder strömten zur Jyske Bank Boxen, so heißt die Halle in Herning. Es war eine Atmosphäre wie bei einem Familienfest.

Merchandising Ariana Grande

Fotos: Nicole Stroschein

Ich begleitete die Mädels zum Eingang der Halle, um ein bisschen von der Stimmung zu fühlen und auch, um mich zu vergewissern, dass es sich richtig anfühlte, die beiden dort reinzuschicken. Dabei dachte ich an drängelnde Konzertbesucher oder vielleicht betrunkene Rüpel. Etwas anderes wäre mir gar nicht in den Sinn gekommen …

Eltern in Kleinwagen

Während des Konzertes vertrieb ich mir die Zeit zunächst bei einer Fast-Food-Kette mit WLAN, später saß ich am Bulli und beobachtete grinsend die vielen anderen Eltern in ihren Autos. Eine ältere Dame wartete geschlagene drei Stunden auf ihre drei Mädchen in einem Kleinwagen, ab und zu verputzte sie ein Lachsbrötchen.

Bulli

Fotos: Nicole Stroschein

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Ich dachte mir: darüber muss ich schreiben. Das ist irgendwie lustig: Eltern in Kleinwagen. Auch über meine eigene Aufregung und das eigentliche Konzerterlebnis der Mädels wollte ich berichten, das nahm ich mir in diesem Moment fest vor. Ich selbst hatte mein erstes Konzert vor sehr, sehr langer Zeit in Hamburg in der Alsterdorfer Sporthalle erlebt. Kool and the Gang, für alle, die alt genug sind, sich zu erinnern. Es folgten noch eine Reihe von Konzerten, heute meide ich solche Veranstaltungen so gut es geht. Zu teuer, oft enttäuschend in Hinblick auf Akustik und Sicht. Aber solche Erfahrungen soll ja jeder selbst sammeln dürfen.

„Es war noch spektakulärer als ich es mir vorgestellt hatte!“

Nach dem Konzert war ich so gespannt, wie es den beiden wohl gefallen hatte, dass ich innerlich auf- und abhüpfte. Und was sagte meine Tochter, auf die Frage, wie es gewesen sei: „Gut.“

Ariana Grande Konzert

Fotos: Nicole Stroschein

Ich war kurz davor, hysterisch zu lachen. Ein halbes Jahr Vorfreude und dann dieser Konzert-Bericht?

Nach einer Nacht im Bulli und einem Frühstück am Strand, kehrten wir schließlich glücklich nach Hause zurück.

Und siehe da: am Abend, etwa 24 Stunden nach dem Konzert, kam der Bericht, ganz ausführlich und die Begeisterung sprudelte nur so aus ihr hervor: „Es war viel spektakulärer als ich es mir vorgestellt hatte,“ verriet meine Kleine mir. Und mir hüpfte das Herz vor Freude. Wir schauten uns Fotos und Videos an und ich wusste, dieses Konzert wird sie nie vergessen!

Manchester und das Unbeschreibliche

Ich werde Recht behalten, doch leider ist es nicht nur das wunderschöne Erlebnis in Dänemark, das wir nie vergessen werden.

Zehn Tage nach unserem Ausflug trat Ariana Grande in Manchester auf. Vor ebenso aufgeregten und glücklichen Kindern, wie ich sie in Dänemark gesehen hatte.

Und dann geschah das Unfassbare. Ein Sprengstoff-Anschlag auf diese jungen Menschen, Kinder. Auch hier hatten viele Eltern draußen auf das Liebste gewartet, was sie haben. Viele von ihnen vergeblich …

Keine Worte

An dieser Stelle fehlen mir die Worte, ich kann einfach nicht glauben, was geschehen ist. Es war sehr früh am Morgen als ich von dem Anschlag erfuhr und ich fühlte bis zum Mittag irgendwie nichts.

Dann kamen die Gedanken. Die Gedanken an das, was dort geschah. Und natürlich der Gedanke: Wie muss es diesen Eltern gehen, die ihre Kinder in ein Konzert schicken und sie nicht lebend wiedersehen?

Ich schaffe es nicht, diesen Gedanken zu Ende zu denken. Mir blieb nichts anderes, als meine Kleine fest an mich zu drücken, als sie an diesem Tag aus der Schule kam. Ihr zu sagen, wie sehr ich sie liebe und wie froh ich bin, dass es sie gibt.

Wie geht es weiter?

Natürlich müssen wir trotzdem über das Schreckliche sprechen. Wir versuchen zu begreifen, was geschehen ist. Warum Menschen so grausam sein können. Und wir sprechen darüber, wie wir uns in Zukunft verhalten möchten. Können wir überhaupt etwas tun?

Noch haben wir nicht die richtigen Antworten auf unsere Fragen. Eines allerdings haben wir uns versprochen. Es war der Vorschlag meiner Tochter: „Wir gehen nie auseinander, ohne uns vorher zu sagen, wie lieb wir uns haben. Ohne uns fest in den Arm zu nehmen.“

Und wir zünden eine Kerze an, für die Konzertbesucher von Manchester, ihre Familien. Für die Liebe und den Frieden …

Fotos: Nicole Stroschein

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2 Kommentare

  1. Hallo Nicole,
    ein wirklich toll geschriebener Bericht. Der Anblick aller Eltern, die draußen im Auto warten, war bestimmt göttlich. 🙂
    Ich bin mal gespannt wann mein Kleiner das erste Mal zu einem Konzert möchte.

    Liebe Grüße
    Niels

    • Vielen Dank, lieber Niels! Es war ein tolles Erlebnis. Die Ereignisse von Manchester haben es aber leider überschattet und auch meine Tochter sehr nachdenklich gestimmt. Lieben Gruß

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