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Tabuthema Fehlgeburt – Interview mit Miriam Funk

Miriam Funk - Tabuthema Fehlgeburt

Mit ihrem Ratgeber „Tabuthema Fehlgeburt“ rückt die Journalistin Miriam Funk eine Seite der Familienplanung in den Mittelpunkt, die viele Menschen verunsichert, aber gerade deshalb besonders wichtig ist.

Das Buch gibt Antworten auf Fragen wie: Was tun, wenn ich eine Fehlgeburt erleide? Welche Rechte habe ich, wo bekomme ich Hilfe? Aber auch: Wie kann ich Betroffenen helfen?

Im Interview mit dem Elternhandbuch erklärt Miriam Funk jetzt, warum ihr das Thema so am Herzen liegt und was sie sich für den Umgang mit Fehlgeburten wünscht.

1. Wie entstand die Idee zum Buch?

Als ich 2014 begann, für ein Buch zum Thema Fehlgeburten zu recherchieren, entstand das aus meinem persönlichen Eindruck, dass es ein Tabuthema sei und viele Frauen darunter leiden. Es schien gleichzeitig mit viel Unwissen und traumatischen Erfahrungen verbunden zu sein.

Ich hatte viele Geschichten von Frauen zum Thema gehört und auch in einem von mir betreuten Forum gelesen. Was manche Frauen erleben mussten, verschlug mir den Atem. Und weil ich das Gefühl hatte, der Bedarf, darüber zu reden, sei hoch, überlegte ich mir, Frauen gezielt nach ihren Erfahrungen zu fragen.

2. Bitte erzähle ein bisschen über den Entstehungsprozess, wie lange hast du daran gearbeitet, wie war die Resonanz, war es einfach, einen Verlag zu finden, dem das Thema auch wichtig ist?

Die Idee zum Buch entstand 2014. Ich habe die Umfrage im Internet gestartet und erhielt überwältigende Resonanz. Dies verdeutlichte mir den Bedarf an Informationen und Kommunikation zum Thema.

Aufgrund der vielen Teilnahmen nahm das Auswerten der Antworten viel Zeit in Anspruch. Im Mai 2016 habe ich mein Exposé an meinen Wunschverlag geschickt, der glücklicherweise sofort Interesse hatte und gerne was zum Thema machen wollte.

3. Du hattest selbst mehrere Fehlgeburten, hast du danach noch ein Kind bekommen?

Nein, ich habe kein lebendes Kind bekommen.

6. Was sind die häufigsten Ursachen für Fehlgeburten?

Die häufigste Ursache bis zur 12. Woche sind genetische Defekte. Nach der 12. Woche sind Infektionen am häufigsten Schuld an einer Fehlgeburt. Bei wiederholten Fehlgeburten (habituelle Aborte) sind die Ursachen in der Regel andere.

7. Welche zum Beispiel?

Es kann beispielsweise ein genetisches Problem bei einem der Partner vorliegen. Außerdem kommen hormonelle, anatomische oder immunologische Probleme in Frage. Auch auf Gerinnungsprobleme sollte nach mehreren Fehlgeburten untersucht werden.

8. Du hast für das Buch über 400 Frauen zum Thema befragt – was war für dich die erstaunlichste Erkenntnis aus dieser Umfrage?

Die erstaunlichste Erkenntnis war eigentlich, dass so viele Frauen bereit waren, von ihren Erfahrungen zu erzählen. Gerade weil es ein Tabuthema ist, hätte ich nie mit so viel Rückmeldung gerechnet. Aber vermutlich entsteht dies gerade dadurch, dass es ein Tabuthema ist und viele Frauen das Bedürfnis haben, sich mitzuteilen, wenn es sonst niemand hören möchte.

8. Was hat dich besonders berührt?

Besonders berührt hat mich, dass sich auch viele Frauen gemeldet haben, die eigentlich keine Fehlgeburt, sondern eine Totgeburt hatten, also von der Umfrage gar nicht angesprochen waren, sich aber durch die Fragestellungen angesprochen fühlten. Bei einer Totgeburt wiegt das totgeborene Kind entweder über 500 Gramm oder hat bei der Geburt bereits gelebt und unter 500 Gramm gewogen.

Der Schmerz vieler Frauen, der nach vielen Jahren noch so stark ist und den ich aus ihren Geschichten lesen konnte, hat mich außerdem sehr berührt.

9. Warum sind Fehlgeburten für viele Menschen ein Tabuthema?

Niemand hat gerne mit dem Tod zu tun. Wenn der Tod dann noch jemanden betrifft, der noch gar nicht geboren war, ist das für viele Menschen nichts Greifbares. Dadurch entsteht vermutlich eine extreme Hilflosigkeit, der dann durch Tabuisierung und Schweigen begegnet wird.

10. Was müsste sich ändern, damit das Thema angemessen behandelt wird und vor allem betroffene Frauen/Paare leichter damit umgehen können?

Zuallererst müssten Frauen, die eine Fehlgeburt erleben, vollständig über ihre Rechte und Möglichkeiten aufgeklärt werden, um überhaupt Entscheidungen treffen zu können, die sie später nicht bereuen.

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Mehr Offenheit in der Gesellschaft zum Thema würde auch zu mehr Kommunikation führen, sodass betroffene Menschen sich besser austauschen könnten.

Die Autorin

Miriam FunkMiriam Funk ist Diplom-Übersetzerin und hat sich auf medizinische Themen, insbesondere Gynäkologie, spezialisiert.

Sie arbeitet als freie Texterin und Lektorin und führt seit 2007 als Chefredakteurin das Internetportal www.9monate.de.

Weitere Infos zum Buch

Tabuthema Fehlgeburt

Tabuthema Fehlgeburt*

Titel: Tabuthema Fehlgeburt. Ein Ratgeber (Erste Hilfen)*

Inhalt: Viele Frauen, die Fehlgeburten erleiden, schweigen und fühlen sich in ihrer Situation allein, denn es ist ein gesellschaftliches Tabuthema, über den Verlust des ungeborenen Kindes zu sprechen. Dabei bleibt oft auch die professionelle, sensible medizinische Betreuung auf der Strecke und die Verarbeitung wird erschwert. Was erleben Frauen bei einer Fehlgeburt? Kennen sie ihre Rechte und Möglichkeiten? Was hilft ihnen, die Situation zu verarbeiten?

Die Autorin hat mehr als 400 Frauen befragt und ihre Antworten in dieses Buch einbezogen. Dieser Ratgeber bietet fachliche Informationen rund um das Thema Fehlgeburt und soll Frauen Wissen an die Hand geben, um den Verlust bestmöglich zu verarbeiten. Aber auch Angehörigen, Freunden und medizinischem Personal kann dieses Buch helfen, sensibel mit dem Thema umzugehen.

Taschenbuch: 120 Seiten
Verlag: Mabuse-Verlag; Auflage: 1. Aufl. (28. April 2017)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3863213343
ISBN-13: 978-3863213343
Preis: 16,95 EUR

Foto: Mareike Pietzsch

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