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Vaterschaftstest – die wichtigsten Fragen im Überblick

Vaterschaftstest

Die Geschichte sorgte weltweit für Schlagzeilen: Die Töchter zweier französischer Familien waren kurz nach der Geburt vertauscht worden und so in fremden Familien aufgewachsen. Als eines der beiden Mädchen zehn Jahre alt war, bestand ihr vermeintlicher Vater auf einem Test. Er wollte sich nicht länger anhören, dass seine Tochter ihm überhaupt nicht ähnlich sähe …

Das Ergebnis schockierte nicht nur ihn, sondern auch seine Frau. Denn: Sie waren beide nicht die leiblichen Eltern des Mädchens …

Ein absoluter Extremfall und zum Glück eine große Ausnahme. Doch auch bei weniger dramatischen Sachlagen sind Vaterschaftstest oder Abstammungsgutachten, wie sie offiziell heißen, oft ein wichtiges Mittel, um Klarheit in Familienangelegenheiten zu bringen.

Wer hat Interesse an einem Test?

Grundsätzlich natürlich jeder Mensch, der wissen möchte, ob eine andere Person mit ihm blutsverwandt ist oder nicht.

  • Das sind natürlich häufig Männer, die nicht sicher sind, ob ein Kind wirklich von ihnen ist.
  • Oder Frauen, die den Erzeuger ihres Kindes zur Verantwortung ziehen möchten, wenn der die Vaterschaft abstreitet.
  • Aber auch junge Menschen, die wissen möchten, ob sie bei ihren leiblichen Eltern leben, haben manchmal ein Interesse an einem Abstammungsgutachten.
  • In seltenen Fällen, wie bei den beiden Familien in Frankreich, kann auch eine Mutter ein berechtigtes Interesse an einem solchen Test haben, weil sie selbst nicht sicher ist, ob sie ihr eigenes Kind in den Armen hält.

Was ist für einen Vaterschaftstest nötig?

Für die Bestimmung des Verwandtschaftsverhältnisses wird DNA der Beteiligten isoliert und miteinander verglichen. Die Probenahme wird entweder im Labor selber durchgeführt, oder die Testteilnehmer gehen zu einem Arzt ihrer Wahl, dem Jugend-oder Gesundheitsamt.

Dazu wird  mit einem Wattestäbchen eine Probe aus der Mundschleimhaut genommen. Es ist auch möglich, Haare mit Wurzel, Sperma, Nasenschleim oder Hautstücke zu analysieren.  Nicht optimal (wenn auch machbar): DNA-Proben aus Zigaretten, Zahnbürsten,  Trockenrasierern u. ä. Jedoch muss immer das schriftliche Einverständnis der getesteten Personen vorliegen.

Übrigens: Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass unter bestimmten Voraussetzungen ein Test auch gerichtlich angeordnet werden kann. Dann muss das schriftliche Einverständnis „nur“ vom Richter vorliegen. Abgesehen von dieser Ausnahme, müssen immer alle Testpersonen per Unterschrift ihre Zustimmung zum Test geben (Link: https://www.anwalt.de/rechtstipps/wann-ist-ein-vaterschaftstest-zulaessig_064964.html).

Labore sind verpflichtet, die Genehmigung aller Beteiligten schriftlich einzuholen. Bei Minderjährigen unterzeichnen die Erziehungsberechtigten.

Sind die Tests zuverlässig?

Wenn sie ordnungsgemäß durchgeführt werden, absolut. Je mehr DNA-Merkmale von Vater und Kind übereinstimmen, desto größer die Wahrscheinlichkeit der Vaterschaft. Bei einer Übereinstimmung von 99,9 % geht man von einer Verwandtschaft aus.

Muss ich für einen Test zum Arzt gehen?

Nicht zwingend. Man lässt sich das Test-Set nach Hause schicken und geht dann damit, wenn nicht zum Arzt, dann zum Jugend- oder Gesundheitsamt, wo die Proben entnommen werden. Oft dauert es nur wenige Tage, bis das Ergebnis vorliegt. Wichtig: DNA Tests werden in Deutschland nicht mehr durchgeführt, wenn nicht die Identität der betroffenen Personen von offizieller Stelle (Arzt, Labor, Sachverständiger) beglaubigt wurde.

Übrigens: Die Mädchen aus Frankreich gingen nicht etwa zu ihren leiblichen Eltern zurück, nachdem sich herausgestellt hatte, dass sie vertauscht worden waren. Zu eng war inzwischen die Bindung an die Menschen, bei denen sie aufgewachsen waren. Ein Gericht sprach beiden Familien aber Entschädigungen in Millionenhöhe zu.

Doch: egal, wie groß die Liebe ist, egal, wie eng die Bindung zur Familie – letztlich wünscht vermutlich jeder Klarheit darüber, wo er wirklich herkommt.

Weitere Links zum Thema Vaterschaftstest:

Ludger Pütz erfuhr selbst erst, dass er nicht der leibliche Vater seines Sohnes ist, als dieser 7 Jahre alt war. Auf seinem Blog schreibt er über das Thema: https://kuckucksvater.wordpress.com

Vaterschaftstest

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