Schule & Ausbildung
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5 Dinge, die Du berücksichtigen solltest, wenn Dich die Waldorfschule für Dein Kind interessiert

Waldorfschule
Gastbeitrag von Nadine Mescher

Es klingt zu schön um wahr zu sein: Es gibt sie, die Schule ohne Noten in den ersten acht Schuljahren. Die Schule, in der man keine Angst zu haben braucht, sitzen zu bleiben. Die Schule, in der Kreativität einen sehr hohen Wert hat. Keine Frage: Ein Wechsel an die Waldorfschule ist ein Systemwechsel.

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Da sollte man wissen, was auf einen zukommt. Wer sein Kind an einer Waldorfschule quer einsteigen oder direkt einschulen möchte, sollte sich dieser fünf Dinge bewusst sein.

1. Die Waldorfschule ist eine Mitmachschule

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Waldorfschulen gibt es nur, weil Eltern und Lehrer sie haben möchten. Da gilt es, zu gestalten und sich einzubringen: So ist üblich, dass Eltern nicht nur die Kuchenbäcker auf dem Schulfest sind, sondern bis in die schulleitenden Gremien hinein Einfluss haben und mitwirken. Auch eine finanzielle Beteiligung an den so genannten „Schulbetriebskosten“ gehört dazu, da die Kultusministerien der Länder für diese Schulform in der Regel keine 100 %-ige Refinanzierung bieten.

Ein Kind auf der Waldorfschule zu haben, bedeutet also, Freizeit und auch Geld in die Schullaufbahn zu investieren. Im Gegenzug kann man die Schulzeit seines Kindes nicht nur aktiv vor Ort miterleben, sondern auch viele Dinge im Schulalltag als Eltern mit gestalten.

2. Klassenlehrer*innen werden eine starke Bezugsperson für Deine Kinder

Klassenlehrer*innen an Waldorfschulen begleiten die Kinder von ihrem ersten Schultag an acht Jahre lang – bis sie sich als Jugendliche auch hier regelrecht abnabeln und den Rest ihrer Schullaufbahn selbst in die Hand nehmen. Acht Jahre lang eine feste Bezugsperson an der Seite zu haben, das ist die doppelte Grundschulzeit.

Jeden Tag verbringen die Kinder mindestens zwei Stunden mit ihrem Vorbild – und dürfen alles Neue von ihm lernen. Das baut eine starke Beziehung auf. Waldorflehrer*innen erleben es, wie die Kinder Ihrer Klasse aufwachsen. Sie kennen jedes einzelne Kind ganz genau und eben das ist so gewollt.

Die Waldorfpädagogik ist voll und ganz auf Erziehung durch Beziehung ausgerichtet. Dazu gehört übrigens auch, dass die Kinder von ihrem Klassenlehrer oder ihrer Klassenlehrerin auch mal zu Hause besucht werden. Es besteht also eine große Bindung, die man dann im Sinne der Kinder auch zulassen sollte.

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3. Ein Messen mit gleichen Jahrgängen an Regelschulen funktioniert nicht wirklich

Der Waldorflehrplan und die -methoden führen zwar am Ende der Schullaufbahn zu gleichen staatlichen Abschlüssen – der Weg dorthin ist allerdings oftmals nicht ganz vergleichbar.

Beim „Lernen mit Kopf, Herz und Hand“ braucht es beispielsweise an der Waldorfschule mitunter das gesamte erste Schuljahr, bis jeder Buchstabe des Alphabets bildhaft mit Geschichte an die Kinder herangeführt wurde – während Grundschüler sehr schnell durch intellektuelles Lernen neue Buchstaben inklusive Groß- und Kleinschreibung kennenlernen. Andersherum beginnen Waldorfschüler in Klasse 1 direkt mit zwei Fremdsprachen und lernen bereits in der vierten Klasse die gesamte Bruchrechnung.

Der Unterrichtsstoff ist also bis zum Schluss derselbe, jedoch anders verteilt. Das liegt daran, dass in der Waldorfpädagogik das Lernen als Entwicklungsaufgabe gesehen wird. Zudem gibt es an der Waldorfschule auch Unterrichtsfächer, die es an Regelschulen nicht gibt, die aber auch ihren festen Platz im Stundenplan finden: Beispielsweise Gartenbau, Eurythmie oder Werken. In einigen Bundesländern ist es daher so, dass die mittleren Schulabschlüsse, die an Regelschulen nach der 10. Klasse vergeben werden, an Waldorfschulen erst nach 11 Schuljahren zentral geprüft werden.

4. Jede Waldorfschule ist anders

Wie schon erwähnt, ist jede Waldorfschule aus einer Gründungsinitiative von Lehrern und Eltern entstanden, die bestimmte Grundgedanken dabei hatten und auch verschiedenste Gegebenheiten vor Ort berücksichtigen mussten. So hat jede Schule trotz vieler Gemeinsamkeiten doch ihr eigenes Profil, das den Schulalltag prägt. Dies sollte man sich bewusst machen, insbesondere, wenn man mehrere Waldorfschulen im Umkreis hat.

Wie an allen anderen Schulen auch, steht und fällt das meiste aber mit den Lehrerpersönlichkeiten. Man sollte daher den oder die zukünftige*n Klassenlehrer*in auch unbedingt vorab in Ruhe kennenlernen und abwägen, ob man sich die Zusammenarbeit in der Erziehung des Kindes vorstellen kann.

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5. Die Auswirkungen, keine Ziffernnoten und kein Sitzenbleiben zu haben

Viele Eltern fürchten, dass eine Schule zu wenige Anreize hat, wenn die Kinder nicht regelmäßig Feedback in Form von Ziffernnoten bekommen und quasi automatisch am Schuljahresende ins nächste Schuljahr wechseln.

Die Waldorfpädagogik setzt allerdings auf die Lernfreude und den natürlichen Wissensdurst von Kindern. Der Unterricht sollte einerseits so gestaltet werden, dass dies hervorgerufen wird. Andererseits sollten die Kinder es auch von zu Hause aus kennen, mit anpacken und aktiv sein zu dürfen.

Die Autorin

Nadine MescherIch habe an der Ruhr-Universität in Bochum Germanistik und Sozialwissenschaften studiert und mit dem Master of Arts abgeschlossen. Während meines Studiums wurde ich bereits Mutter und setzte mich intensiv mit alternativer Pädagogik auseinander. Nach der Elternzeit des 3. Kindes beschloss ich, Waldorflehrerin zu werden und studierte Waldorfpädagogik.

Seit 2011 bin ich als Klassenlehrerin tätig, dazu unterrichte ich Musik in der Unterstufe, Politik und Geschichte auch in der Sekundarstufe. 2019 erschien mein Kinderbuch „Rosinas Wolle*“, eine Geschichte, die zum Erleben von Schafen und Schafwolle mit allen Sinnen anregt.

Im Jahr 2020 beendete ich eine mehr als 2-jährige Weiterbildung zur Gesundheitspädagogin, begann zu bloggen (montagskindblog.de) und es kam das entspannende Kinder-Hörbuch „Der Klang der Sonnenstrahlen*“ (Igel Records) heraus, ein gemeinsames Werk mit Dr. Daniela Heidtmann („Yoga, Mond & Sterne*“).

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