Gesundheit & Entwicklung
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Deutschland bietet optimale Bedingungen für Zecken – Gesundheitsgefahren nicht unterschätzen!

Zecken

Die warmen Sommer der letzten Jahre haben langfristige Folgen für Natur und Mensch. Auch die hier lebende Zeckenpopulation ist davon betroffen. Ist sie doch durch das für sie optimale Klima der letzten Jahre stark angewachsen und hat darüber hinaus auch noch Verstärkung durch Zuzug aus tropischen Regionen bekommen.

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Nach dem auch in diesem Jahr nur mäßig kaltem Winter können wir sicher davon ausgehen, dass viele Zecken überlebt haben und sich jetzt mit steigenden Temperaturen fleißig vermehren werden. Daran ändert eine wenige Tage dauernde Frostperiode auch kaum etwas.

Wir stehen also mit hoher Wahrscheinlichkeit erneut vor einem heißen Zecken-Sommer, der das Infektionsrisiko für Urlauber, Jogger, Golfer, Spaziergänger und Waldwanderer in der heimischen Natur steigen lässt.

Zecken sind Brutstätte vieler Krankheitserreger

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Zecken sind Blutsauger, die beim Stich viele Krankheitserreger übertragen können. Die Angaben dazu gehen weit auseinander und schwanken je nach Zeckenart zwischen 10 und 50 unterschiedlichen Viren, Bakterien und Einzellern, die theoretisch von ihnen übertragen werden könnten.

Die bekanntesten und bei uns auch am häufigsten durch Zecken übertragene Erkrankungen sind die durch Bakterien ausgelöste Lyme-Borreliose und die Viruserkrankung FSME. Auch Fleckfieber könnte zu einer Gefahr werden, wenn sich die zu uns kürzlich eingeschleppten tropischen Zecken wohlfühlen und weiter vermehren sollten.

Aber nicht nur die zunehmende Populationsdichte und Artenvielfalt stellt für Deutschland eine ernst zu nehmende Infektionsgefahr dar. Auch die Aktivitätsphasen der Tiere werden immer länger.

Bei entsprechend milden Wintern können wir davon ausgehen, dass sie in einigen Regionen Deutschlands bald ganzjährig aktiv sein werden. Schon ab 8°C wachen Zecken aus der Kältestarre auf und werden aktiv.

Trotzdem ergibt es keinen Sinn panisch zu reagieren und aus Angst vor Zeckenstichen die freie Natur zu meiden. Gerade zu Zeiten eingeschränkter Bewegungsfreiheit wegen der Corona-Pandemie kann ein Waldspaziergang pure Erholung bieten.

Informationen und angemessener Schutz können das Infektionsrisiko deutlich senken, zumal gegen FSME geimpft werden kann und die Borreliose mit Antibiotika behandelbar ist.

Von der Holzbock-Zecke geht das größte Infektionsrisiko aus

Die bei uns am häufigsten vorkommende Zeckenart ist der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Er überträgt sowohl Bakterien als auch Viren und ist für die Übertragung von Lyme-Borreliose und FSME verantwortlich.

In den letzten Jahren erkrankten in Deutschland jeweils etwa 40.000 -120.000 Menschen an Borreliose. Im letzten Sommer waren es knapp 300.000. Ein starker Anstieg gegenüber dem Durchschnitt der letzten Jahre. Dagegen nehmen sich die gut 500 gemeldeten FSME-Fälle recht bescheiden aus.

Die großen Unterschiede in den Fallzahlen lassen sich teilweise mit der unterschiedlichen Durchseuchung der hier lebenden Zeckenpopulation mit den Krankheitserregern erklären. Fast jede Dritte in Deutschland lebende Zecke ist mit Borrelia burgdorferi, dem Erreger der Lyme-Borreliose durchseucht. Allerdings führt nur etwa 1 von 100 Stichen von Borrelia tragenden Zecken zum Ausbruch der Lyme-Borreliose.

Diese geringe Infektionsrate kann wahrscheinlich über die lange Zeit erklärt werden, die eine Zecke braucht, um ihre Bakterienlast nach einem Stich zu übertragen. Im Allgemeinen dauert es mehrere Stunden, bis die Borrelien aus dem Darm der Zecke ins Blut des Menschen gefunden haben. Wird die Zecke frühzeitig entfernt, ist das Infektionsrisiko deshalb gering.

Anders die Situation bei FSME. Zwar sind in den ausgewiesenen Risikogebieten nur etwa 5% der Zecken mit dem FSME-Virus infiziert, die Übertragungsrate des Virus auf den Menschen ist jedoch ungleich höher als bei den Borrelien, da schon nach kurzer Zeit Viren in das Blut des Gestochenen gelangen. Eine sehr frühe Entfernung der Zecken ist also zum Schutz vor FSME noch dringender geboten als bei Borrelien.

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Eingewanderten Zecken stellen bisher geringes Infektionsrisiko dar

Ob die neu nach Deutschland eingewanderten Zeckenarten Dermacentor reticulatus (Auwaldzecke), Ixodes inopinatus oder die tropische Riesenzecke (Hyalomma) bei uns schon zu den Krankheitsüberträgern zu zählen sind ist unklar. Fakt ist, dass diese Zecken in ihren Heimatländern Krankheiten übertragen können. Bei uns bisher aber noch keine durch sie übertragenen Krankheiten sicher nachgewiesen wurden. Sollten die eingewanderten Zecken im Laufe der nächsten Jahre hier bei uns jedoch stabile Populationen aufbauen können, ist damit zu rechnen, dass auch Fleckfieber und andere Zecken-Infektion ein Thema werden.

Fazit: Der Schutz vor Zecken muss nach derzeitigem Stand der Wissenschaft gegen Stiche des Gemeinen Holzbocks gerichtet sein, um Infektionen wie Borreliose und FSME zu verhindern. Angemessene Kleidung und im Fall von FSME eine Impfung bieten den besten vorbeugenden Schutz. Neu eingewanderten Zecken könnten zukünftig eine Infektionsgefahr darstellen, wenn der Klimawandel ihnen gute Lebensbedingungen bietet und sie stabile Populationen in Deutschland aufbauen können.

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