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Sind späte Eltern gelassener?

Wiebke + Luzie Lorenz

Es ist ein viel und gern diskutiertes Thema, das „Top-Elternblogs“ in seiner aktuellen Blogparade aufgreift: Sind späte Eltern die besseren Eltern?

Exklusiv für „Das Elternhandbuch“ hat sich unsere Autorin Wiebke Lorenz ihre ganz persönlichen Gedanken dazu gemacht:

„Finde ich unmöglich, solche Frauen, die erst mit Ende dreißig Kinder bekommen! Jahrelang nur an die Karriere denken, und dann kurz vor Toresschluss noch ein Baby in die Welt setzten – das ist doch total egoistisch.“

WHAM! Diese Sätze saßen. Gehört habe ich sie letzte Woche, als zwei Mütter aus der Kindergartengruppe meiner Tochter Luzie (15 Monate) darüber sprachen, was sie so von „späten Eltern“ halten. Zwar getuschelt, aber für mich dennoch deutlich zu verstehen. Ob es Absicht war, lasse ich mal dahin gestellt.

Denn ich gehöre zu „solchen Frauen“; meine Tochter habe ich erst im biblischen Alter von vierzig Jahren, zwei Wochen vor meinem einundvierzigsten Geburtstag, zur Welt gebracht. Die Gründe dafür liegen weder in meiner Karriere, noch den falschen Männern oder gar grenzenlosem Egoismus. Es ist schlicht so, dass ich es fast zehn Jahre lang versucht habe, ehe eine Schwangerschaft bei mir endlich geklappt hat.

Sei’s drum, es steht mir nicht auf der Stirn geschrieben, warum ich eine „späte Mama“ bin. Ich bin es eben. Und mir persönlich ist es auch völlig egal, ob und warum jemand früher oder später – oder auch gar nicht – Kinder bekommt. Denn das geht mich zum einen nichts an – zum anderen ist der Lebensweg eines jeden Menschen so individuell, dass ich mich davor hüten möchte, mit irgendwelchen Pauschalurteilen in welches Horn auch immer zu tuten.

Man hat schon ausreichend auf die Tonne gehauen

Aber zurück zum Thema: Gibt es auch Vorteile für späte Eltern? Laut „Spiegel“, der ja neulich darüber berichtete (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-126590262.html), jede Menge. Nicht zuletzt der Umstand, dass man mit Ende dreißig meist finanziell besser aufgestellt ist als mit Mitte zwanzig, und dass man schon ausreichend auf die Tonne gehauen hat und so ein Kind nicht mehr als „Beschränkung“ empfinden müsste.

Ist sicher alles richtig und wahr. Meine Feier-Zeiten, zu denen ich morgens um vier auf der Reeperbahn auf dem Tisch getanzt habe, liegen bereits länger zurück und ich bin froh, wenn meine Tochter um kurz nach acht in ihrem Bettchen schlummert und ich bald darauf ebenfalls selig in die Kissen sinken darf.

Ansonsten ist mir natürlich auch klar, dass Luzie mit mir als Mama ein anderes Leben führen wird als ein Kind, dessen Mutter erst Mitte zwanzig ist. Ganz emotionslos und banal gesagt werde ich zum Beispiel nicht mehr da sein, wenn meine Tochter ins Rentenalter kommt.

Mit etwas Glück werde ich irgendwann noch Oma, allerdings nur, wenn Luzie überhaupt Kinder will und sich dann nicht so lange „Zeit lässt“ wie ich. So ist es eben, da beißt die viel zitierte Maus keinen Faden ab.

Kleie aussieben, Gemüse dämpfen, auf den Popo plumpsen lassen?

Okay, dafür sollen wir späten Eltern angeblich gelassener sein, was sich dann auch auf unseren Nachwuchs überträgt. Stimmt das?

Nun ja, Luzie schläft durch, seit sie sechs Wochen alt ist. Sie schreit nur, wenn sie Hunger hat oder die Windel voll oder wenn sie müde ist. Sie ist sie ein komplett unkompliziertes Kind, pennt sofort ein, wenn ich sie hinlege, isst alles (und vor allem gern und viel), hört auf mich (jedenfalls ansatzweise), lacht die ganze Zeit und ist einfach nur ein Wonneproppen.

Hm, liegt das an meiner Gelassenheit?

Jein. Ich gebe zu, dass ich seit Luzies Geburt nie ein großes Tamtam veranstaltet habe. Nie habe ich sie nächtelang durch die Gegend getragen oder bin beim kleinsten Nöken sofort hingerannt; wenn sie bei ihren Gehversuchen hinzufallen droht, lasse ich auch mal zu, dass sie auf den Popo plumpst; wenn sie aus der Kita mit einer Schramme kommt, zitiere ich nicht sofort die Geschäftsleitung herbei, und es liegt mir auch fern, aus Mehl die Kleie auszusieben oder jeden Tag ein anderes Gemüse zu dämpfen und zu pürieren. Seit Luzie Zähne hat, isst sie einfach das, was es auch für uns gibt (okay, mit weniger Salz, das schon), und davor gab’s Gläschen aus dem Drogeriemarkt.




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Und nein, ich denke nicht, dass ich vor allem gelassener bin als früher – es ist schlicht und ergreifend auch so, dass ich nicht mehr so kann wie mit Mitte zwanzig.

Für volle Power in Job und Privatleben fehlt die Energie

Nach einer durchwachten Nacht bin ich deutlich geräderter als vor zehn Jahren. Ich habe nicht mehr die Energie, im Job volle Power zu geben und dann auch noch privat Perfektionismus an den Tag zu legen, da muss ich hier und da auch mal Fünfe grade sein lassen:

Als es darum ging, für meine Entbindung die richtige Klinik zu finden, habe ich mir nicht sechs Stück angesehen, sondern mich direkt im Hamburger Universitätskrankenhaus angemeldet (die transplantieren da Organe, da werden sie wohl auch ein Kind zur Welt bringen können);

Luzies Kita ist gleich die erste, die ich besichtigt habe, denn sie liegt auf der anderen Straßenseite (nach dem Entfernungsprinzip habe ich auch ihren Kinderarzt ausgewählt);

ich benutze Feuchttücher und keine Waschlappen (und möchte an dieser Stelle dem Erfinder der Feuchttücher ganz offiziell und auf Knien danken!);

ein Schnuller in der Sandkiste wird abgewischt, nicht abgekocht;

Babysitter engagiere ich nach Sympathie, ganz ohne polizeiliches Führungszeugnis, und wenn wir mit Luzie bei Freunden sind und es später wird, legen wir sie einfach da hin und zuckeln auch mal erst morgens um zwei nach Hause.

Am Ende zählt nur die Liebe

So bin ich als Mutter. Ein bisschen pragmatischer und – ja! – auch fauler, als ich es in meinen Zwanzigern gewesen wäre.

Ist das nun gut oder schlecht? Sind später Eltern besser als frühe oder umgekehrt? Keine Ahnung. Wir werden irgendwann Luzies Psychologen fragen müssen …

Nein, ernsthaft, zu diesem Thema gibt es meiner Meinung nach nur eines zu sagen:

Egal, ob man früh oder spät ein Kind (oder auch mehrere bekommt), geht es doch eigentlich nur um eines: um die Liebe, die Eltern für ihre Kleinen empfinden. Und Liebe ist, glücklicherweise, zeitlos.

Foto: Matthias Willig

20 Kommentare

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  2. Gisela Bongardt sagt

    Jawoll, liebe Frau Lorenz!

    Das ist ein Text, der mir das Herz im Leibe hüpfen lässt.
    Ich habe meine Tochter erst in einem Alter bekommen, in dem sich Frühgebärende schon mal nach nem Altersruhesitz auf Gran Canaria umsehen – und grad weil ich’s schon seit jeher allein mache, das Großziehen, mache ich’s eben „my way“: Mehr *laisser faire*, fünfe nen guten Mann und Gott gerade sein lassen.

    Herzlichst, Gisela Bongardt

  3. Liebe Leute,

    vielen Dank für Eure netten Kommentare, da macht das Schreiben doch gleich noch mehr Spaß 🙂 Und sorry, dass ich erst jetzt reagiere, meine Woche war etwas unübersichtlich, und ich bin froh, dass nun bald Pfingsten ist 🙂 Übrigens: Wir freuen uns auch immer über Anregungen für Themen, Ihr habt da ja bestimmt auch spannende Ideen!

    Jetzt erst einmal weiter im Text und liebe Grüße!
    Wiebke

  4. Ein schöner Text. Seit gut drei Jahren bin ich Mutter. Und nach den allgemeinen Normvorstellungen mit 39 wohl auch ziemlich spät damit. Was mich seitdem irritiert ist das pauschalisieren. Dicke gegen Dünne, Frühe gegen Späte, Berufstätige gegen nicht Berufstätige. Es entsteht gewollt oder auch ungewollt ein „Rechtfertigungs-Battle“ warum man nun gerade jetzt und nicht früher oder später ein Kind bekommen hat. Warum man keine Verfechteren der trilingualer Früherziehung ist. Oder warum man arbeitet oder auch nicht. Insofern genau: „Denn das geht mich zum einen nichts an – zum anderen ist der Lebensweg eines jeden Menschen so individuell, dass ich mich davor hüten möchte, mit irgendwelchen Pauschalurteilen in welches Horn auch immer zu tuten.“ Geht in anderen Lebensbereichen doch auch.

    • Hallo Doris,
      Danke Dir! Genau so sehen wir das auch – leben & leben lassen. Meist gibt es ja nicht nur schwarz und weiß, sondern noch ganz viele Facetten dazwischen 🙂

      LG
      Heike

  5. Ein sehr schöner Artikel. Ich denke nicht, dass es ein passendes Alter für das Kinder kriegen gibt. Das hängt sehr stark von der Frau selbst und anderen Faktoren ab. Der wichtigste Punkt ist, dass es ein Wunschkind ist.

  6. Kerstin Ruh-Bu sagt

    Sehr schöner Artikel. Ich selbst bin eine fast späte Mutter (wobei, ab wann ist es „spät“? Ab 35, sobald eine Schwangerschaft als „Risikoschwangerschaft“ gilt? Oder doch schon ab 30?). Im Grunde, so finde ich, ist es völlig egal, wie alt frau ist, wenn sie Mutter wird (solange die Mutter nicht gerade 60 ist). Ich denke, niemand hat das Recht, darüber zu urteilen, ganz gleich, was die Gründe dafür sind. Und selbst wenn es die Karriere ist, die eine Frau spät Mutter werden lässt, es ist ganz allein ihre Sache. Der einzige Nachteil ist m.E. nach, dass, je älter die Mutter beim ersten Kind, desto kürzer hat das Kind etwas von der Mutter. Aber hey, 40 ist doch kein Alter! 😉

  7. Hallo Wiebke,
    endlich meldet sich mal eine Mutter jenseits der 40 zu Wort – und bringt den Sachverhalt auf den Punkt: Am Ende zählt nur die Liebe, die man den Kleinen entgegenbringt.
    Wie wunderbar pragmatisch und unkompliziert du dabei vorgehst, dein Kind mit dem Notwendigsten zu versorgen, liest sich herrlich. Kein unnötiges Blabla über das Bildungskonzept der Kita oder ob’s Kindlein mit 4, 6 oder 12 Monaten anfangen sollte, Brei zu essen – und dann selbstgekocht oder aus dem Gläschen?…
    Offenbar funktioniert’s bestens!
    LG Anne

    • Hallo Anne,
      vielen Dank für die tolle Blogparade!
      Wir werden mal ein bisschen bei dir im Blog stöbern, das sieht alles super interessant aus.

      LG
      Heike

    • Liebe Anne,

      vielen Dank für das Kompliment! 🙂 Und, ja, bisher klappt unser Leben mit Luzie prima – hoffen wir, dass es so bleibt!

      Liebe Grüße,
      Ü-40-Wiebke 🙂

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