Gegen Meningokokken gibt es heute Impfungen für jedes relevante Erkrankungsalter – und die STIKO-Empfehlungen haben sich 2024 und 2025 grundlegend verändert. Für Säuglinge gilt seit Januar 2024 die MenB-Impfung ab zwei Monaten als Standardimpfung. Für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren empfiehlt die STIKO seit Oktober 2025 die MenACWY-Impfung. Die frühere MenC-Impfung mit zwölf Monaten entfällt.
Wer den Impfstatus seines Kindes nicht kennt oder unsicher ist, ob veraltete Empfehlungen noch gelten: Am besten beim nächsten Kinderarzttermin ansprechen.
Inhalt
- Was sind Meningokokken?
- Wer ist besonders gefährdet?
- Symptome: Wann ist schnelles Handeln gefragt?
- Glastest bei Hauteinblutungen
- Meningokokken Impfung: Was die STIKO aktuell empfiehlt
- Gibt es einen Impfkalender zum Nachschlagen?
- Wann ist eine Meningokokken-Erkrankung überwindbar?
- Was Eltern konkret tun können
Was sind Meningokokken?
Meningokokken sind Bakterien, die weltweit vorkommen. Sie sind bei etwa zehn Prozent der Erwachsenen im Nasen-Rachen-Raum nachweisbar – ohne dass diese Menschen erkranken. Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion: durch Küssen, Husten, Niesen oder engen Kontakt. Eltern können ihre Kinder also übertragen, ohne es zu wissen.
Es gibt zwölf verschiedene Meningokokken-Gruppen; in Deutschland sind vor allem die Gruppen B, Y, C und W relevant. Gruppe B verursacht aktuell die meisten Erkrankungen, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern.
Wer ist besonders gefährdet?
Säuglinge und Kleinkinder tragen das höchste Risiko, weil ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist. Bei Kindern unter einem Jahr verläuft eine Meningokokken-Erkrankung besonders häufig als Sepsis. Jugendliche und junge Erwachsene sind eine zweite Risikogruppe: Sie haben die höchsten Besiedlungsraten und gelten als Hauptüberträger.
In Deutschland treten jährlich rund 350 invasive Meningokokken-Erkrankungen auf. Trotz intensivmedizinischer Behandlung sterben etwa zehn Prozent der Erkrankten. Weitere rund 20 Prozent behalten dauerhafte Folgeschäden.
Symptome: Wann ist schnelles Handeln gefragt?
Das Problem mit Meningokokken-Erkrankungen ist ihr Beginn. In den ersten Stunden ähneln die Beschwerden einem grippalen Infekt – Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Übelkeit. Das erschwert die frühe Diagnose erheblich.
Im weiteren Verlauf können folgende Symptome auftreten:
- Hohes Fieber, das trotz fiebersenkender Mittel nicht zurückgeht
- Starke Nackensteifheit und Lichtempfindlichkeit
- Benommenheit oder ungewöhnliche Schläfrigkeit
- Erbrechen und Krampfanfälle
- Hauteinblutungen: kleine, rote oder violette Punkte und Flecken, die sich nicht wegdrücken lassen
- Bei Säuglingen: vorgewölbte oder harte Fontanelle, Nahrungsverweigerung
Besonders das Auftreten von Hauteinblutungen ist ein ernstes Warnsignal. Bei jedem konkreten Verdacht gilt: sofort in die Notaufnahme, nicht abwarten bis zum nächsten Morgen. Eine Meningokokken-Erkrankung kann innerhalb von 24 Stunden lebensbedrohlich werden.
Glastest bei Hauteinblutungen
Ein einfacher Orientierungstest: Ein klares Glas fest auf die Hautveränderungen drücken. Verschwinden die roten Flecken dabei nicht, kann das auf eine Blutvergiftung hinweisen – dann sofort den Notruf 112 rufen.
Meningokokken Impfung: Was die STIKO aktuell empfiehlt
Die STIKO-Empfehlungen zur Meningokokken Impfung haben sich zuletzt zweimal grundlegend verändert – 2024 und 2025. Wer sich an ältere Informationen erinnert, sollte das unbedingt mit dem Kinderarzt aktualisieren.
Der aktuelle Stand:
MenB – Standardimpfung für Säuglinge ab 2 Monaten (seit Januar 2024)
Seit Januar 2024 empfiehlt die STIKO die Impfung gegen Meningokokken Gruppe B für alle Säuglinge ab dem zweiten Lebensmonat als Standardimpfung. Meningokokken B sind derzeit für die meisten Erkrankungen im frühen Kindesalter verantwortlich. Die Impfung kann gleichzeitig mit der Sechsfachimpfung gegeben werden. Wurde sie versäumt, lässt sie sich bis zum fünften Geburtstag nachholen – die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten.
MenACWY – Standardimpfung für Kinder und Jugendliche 12 bis 14 Jahre (seit Oktober 2025)
Seit Oktober 2025 empfiehlt die STIKO für alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren eine Impfung gegen die Meningokokken-Gruppen A, C, W und Y mit einem Kombinationsimpfstoff. Diese Altersgruppe hat die höchsten Überträgerquoten; die Impfung soll auch indirekt jüngere und ältere Bevölkerungsgruppen schützen. Wurde die Impfung verpasst, kann sie bis zum 25. Geburtstag nachgeholt werden. Hinweis: Die Erstattung durch gesetzliche Krankenkassen hängt noch von der Aufnahme in die Schutzimpfungsrichtlinie ab – beim Kinderarzt nachfragen.
MenC entfällt als Kleinkind-Impfung
Die frühere Empfehlung, Kinder mit zwölf Monaten gegen Meningokokken C zu impfen, gilt seit Oktober 2025 nicht mehr. Meningokokken C kommen in Deutschland inzwischen nur noch in Einzelfällen vor.
Was ist mit Kindern, die bereits die alte MenC-Impfung erhalten haben?
Ein Handlungsbedarf besteht nicht sofort. Die MenACWY-Impfung im Alter von 12 bis 14 Jahren deckt Gruppe C mit ab. Wer unsicher ist, bespricht das am besten beim nächsten Kinderarzttermin.
Gibt es einen Impfkalender zum Nachschlagen?
Den aktuellen STIKO-Impfkalender mit allen empfohlenen Terminen findet man auf der Website des Robert Koch-Instituts. Er wird regelmäßig aktualisiert und zeigt auf einen Blick, welche Impfungen wann fällig sind. Ebenfalls hilfreich: der Elternhandbuch-Ratgeber zu Impfungen, der einen Überblick über alle wichtigen Impfungen im Kindesalter gibt.
Wann ist eine Meningokokken-Erkrankung überwindbar?
Eine schnelle Diagnose und der sofortige Beginn einer Antibiotika-Therapie entscheiden über den Verlauf. Je früher die Behandlung beginnt, desto geringer das Risiko für schwere Folgeschäden. Zu den möglichen Komplikationen gehören Hörverlust, Entwicklungsstörungen, Krampfleiden und in schweren Fällen Amputationen infolge von Gewebezerstörung.
Erfahrungsberichte von Betroffenen zeigen, wie schnell eine Erkrankung eskalieren kann – und wie wichtig das Bauchgefühl von Eltern ist. Leonies Mutter Birgit erkannte in der Nacht, dass irgendetwas nicht stimmte, und fuhr sofort ins Krankenhaus. Ihre Geschichte ist eine der eindrücklichsten Erinnerungen daran, warum schnelles Handeln zählt.
Was Eltern konkret tun können
Meningokokken-Erkrankungen sind selten, aber ihre Verläufe sind schwer kalkulierbar. Wer den Impfstatus des Kindes kennt und die Symptome einordnen kann, ist gut aufgestellt. Zwei Dinge helfen dabei besonders: den aktuellen Impfkalender kennen – und bei unklarem hohem Fieber mit Hautveränderungen nicht zögern.
Wichtiger Hinweis Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Impfungen und zum individuellen Impfschutz deines Kindes wendet euch an eure Kinder- und Jugendarztpraxis. Aktuelle und weiterführende Informationen findet ihr hier:

Pin it!



[…] Beitrag „Meningokokken Impfung: Was Eltern jetzt wissen müssen“ erschien zuerst auf „Das […]