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RS-Virus – eine Grippe für die Großen, Lebensgefahr für die Kleinen

Krankheiten: RS-Virus

Der RS-Virus – genauer: Respiratorisches Synzytial-Virus – ist für Erwachsene und ältere Kinder meist nicht mehr als ein grippaler Infekt. Für Säuglinge und Kleinkinder kann er dagegen gefährlich werden, weil er schnell die unteren Atemwege befällt und dort Entzündungen auslöst.

Was hinter dem Erreger steckt, welche Symptome ernst zu nehmen sind und was es seit 2023 an Schutzmöglichkeiten gibt – das findest du hier.

Der RS-Virus: Was dahintersteckt

Dieser Virus stammt aus jener Virengruppe, die auch für Masern und Mumps verantwortlich ist und via Tröpfcheninfektion übertragen wird. Der Erreger lässt sich auf dem gesamten Globus verzeichnen und gehört insbesondere in Entwicklungsländern mit zu den häufigsten Todesursachen für Säuglinge.

Auch eine indirekte Übertragung des Erregers ist möglich, beispielsweise über die Hände oder kontaminierte Flächen.

Nach etwa drei bis acht Tagen der erfolgten Infektion treten erste Symptome auf, die bei älteren Kindern und Erwachsenen einer herkömmlichen Grippe gleichen. Bei Kleinkindern und Säuglingen gelangen die Viren sehr schnell in die unteren Atemwege und rufen dort Entzündungen hervor. Schleim bildet sich, der gerade von Säuglingen nur schwer abgehustet werden kann und Atemprobleme verursacht.

Symptome des RS-Virus

Bei Erwachsenen und Kindern lässt sich der RSV-Infekt nur schwer von anderen Grippe-Erkrankungen unterscheiden. Es treten die typischen Symptome auf:

  • Schnupfen
  • Husten und mittlere bis starke Halsschmerzen
  • Fieber
  • Brustschmerzen beim Abhusten

Für Kleinkinder und Säuglinge wiegt der Verlauf schwerer: Die Infektion kann starke Schmerzen beim Husten verursachen, zur Trinkverweigerung und schnell einem schlechten Allgemeinzustand führen.

Nicht selten diagnostiziert der Kinderarzt eine spastische Bronchitis oder Pneumonie (Lungenentzündung).

Säuglinge und jüngere Kinder werden häufig durch diese Symptome auffällig:

  • Nahrungsverweigerung
  • starker, schmerzender Husten
  • rasche und flache Atmung
  • rasselnde Geräusche beim Atmen
  • Schlappheit

Wichtig: Lass vor allem im ersten Lebensjahr des Kindes genannte Symptome und jeden Grippe-Verdacht vom Kinderarzt abklären. Selbst virale Infekte anderer Art können dem engen Brustkorb der Kleinen stark zusetzen, sodass lebensbedrohliche Atemstörungen auftreten. Eine Überwachung und Behandlung im Krankenhaus ist dann besonders wichtig.

Die Behandlung bei RSV-Infektion

Da es sich um einen viralen und nicht um einen bakteriellen Infekt handelt, gibt es keine spezifischen Medikamente gegen den RS-Virus. Auch eine vollständige Immunität entsteht nach überstandener Erkrankung nicht – Reinfektionen verlaufen aber deutlich glimpflicher.

Als Therapie wird insbesondere das kranke Kleinkind oder Baby isoliert, um andere Erreger fernzuhalten und auch die Infektion anderer Patienten zu verhindern. Anschließend wird geprüft, wie gut die Sauerstoffsättigung des Kindes ist. Da die Erreger die Atemwege beeinträchtigen und Säuglinge dies durch den noch engen Brustkorb nicht ausgleichen können, muss bei nicht ausreichender Sättigung Sauerstoff über eine Atemmaske zugeführt werden. Hinzu wird das Inhalieren von Wasser- und Salzlösungen angeordnet, das für den leichteren Abtransport des gebildeten Sekrets sorgen soll.

Schutz vor dem RS-Virus: Was es seit 2023 gibt

Lange gab es keinen Impfschutz gegen RSV. Das hat sich geändert. Seit 2023 ist in Deutschland ein RSV-Impfstoff für Schwangere zugelassen, der Antikörper auf das ungeborene Kind überträgt und so Neugeborene in den ersten Lebensmonaten schützen kann. Zusätzlich steht seit 2023 Nirsevimab zur Verfügung – ein monoklonaler Antikörper, der Säuglingen direkt verabreicht werden kann und vorübergehenden Schutz bietet. Er ist kein klassischer Impfstoff, wirkt aber ähnlich.

Welche dieser Optionen für dein Kind oder eine Schwangerschaft in Frage kommt, hängt von individuellen Faktoren ab. Die Kinder- und Jugendarztpraxis oder die Gynäkologie können dazu beraten.

Weitere Maßnahmen

Darüber hinaus kann in der Regel nur symptomatisch behandelt werden, das heißt, die Beschwerden durch Krankheitssymptome werden erleichtert. Die Bekämpfung der RSV-Infektion muss der Körper allerdings selbst bewältigen. Zum Einsatz kommen häufig:

  • Schmerz- und Fiebermittel, beispielsweise Paracetamol- und Ibuprofenzäpfchen
  • Nasentropfen mit abschwellender Wirkung
  • Infusionen

Antibiotika kommen nur dann in Frage, wenn zur Viren-Infektion auch eine bakterielle Infektion hinzugekommen ist. Das ist häufig der Fall, da Bakterien mit dem ohnehin schon geschwächten Immunsystem leichtes Spiel haben. Dass eine bakterielle Infektion zur Erkrankung dazu gekommen ist, lässt sich an gelblichem oder grünem Sekret erkennen – bei einer reinen Grippeerkrankung durch die RS-Viren bleibt dieses transparent.

Handelt es sich um eine besonders schwerwiegende RSV-Infektion, können weitere Atemhilfen oder gar physiologische Hilfsmittel angeordnet werden. Atemhilfen werden beispielsweise eingesetzt, um die Lungenhälften auch ohne Muskelkraft des Patienten besser zu entfalten. Dadurch klappt die Sauerstoffaufnahme, aber auch das Absondern des Sekrets besser. Vibrations-Massagegeräte hingegen lassen sich zur leichten Massage des Brustkorbs anwenden, die Sekrete ebenfalls lösen und das Abhusten erleichtern soll.

Zu den Risikopatienten gehören bei einer RSV-Erkrankung unter anderem:

  • Frühgeborene Kinder
  • Kinder mit geschwächtem Immunsystem
  • Kinder mit Grunderkrankungen

Nach überstandener RSV-Erkrankung – wie geht es weiter?

Der RS-Virus zieht Säuglinge und Kleinkinder stark in Mitleidenschaft. Je jünger das Kind, desto schwieriger übersteht es den Krankheitsverlauf. Umso wichtiger ist es, der Behandlung ausreichend Zeit zu widmen und nach überstandener Erkrankung das Immunsystem zu stärken.

Es ist wichtig, dass das Kind sich erholen kann, um das Immunsystem wieder hochzufahren. Hierfür sollte es:

  • viel Schlaf bekommen
  • viel Flüssigkeit trinken
  • an die frische Luft dürfen
  • Anstrengungen vermeiden

Die Beobachtung des weiteren Verlaufs ist bei jüngeren Kindern besonders wichtig. Der Kinderarzt sollte nach Entlassung aus dem Krankenhaus die Atemwege abhören und prüfen, ob diese frei sind oder erneut Atemprobleme entstehen.

Schütz dein Kind zunächst vor weiteren Erkrankungen. Der Besuch des Kindergartens oder der Krabbel- und Spielgruppe sollte erst einmal ausbleiben – auch von größeren Menschenmengen ist in dieser Zeit Abstand sinnvoll.

Eine gute Hygiene aller Familienmitglieder hilft, die Gefahr einer Infektion mit anderen Erregern zu verringern: Gründliches Händewaschen sollte in dieser Zeit zur Routine werden.

Tipp: Lass in dieser Zeit auch Besuche durch Bekannte oder Freunde ausbleiben. Je weniger das Immunsystem in dieser Phase belastet wird, desto besser.

Ansteckend ist das Kind ab dem ersten Tag der Infektion bis zu zehn Tage lang – in dieser Zeit Familien mit anderen Kleinkindern und Babys besser meiden.

So lässt sich einem RS-Virus vorbeugen

Je jünger das Kind, desto wichtiger ist es, es vor einer RS-Virus-Infektion zu schützen. Das noch nicht ausgereifte Immunsystem der Kleinsten kommt gegen den Erreger kaum an – vorbeugende Maßnahmen können einiges ersparen.

Was hilft:

  • Krankheitswarnungen im Kindergarten oder in Krabbelgruppen im Blick behalten – über RSV-Fälle wird meist zeitnah informiert
  • das Immunsystem des Kindes mit ausgewogener Ernährung und Bewegung an der frischen Luft unterstützen – mehr dazu im Artikel über [Fieber beim Kind]
  • unterwegs auf gute Händehygiene achten, die einer indirekten Übertragung keine Chance gibt
  • bei Husten und Grippeerscheinungen zeitnah den Kinderarzt aufsuchen, um eine RSV-Infektion früh einzuordnen
  • das Kind bei Husten aufrechter lagern, damit Sekrete besser abfließen können

Was bleibt, wenn der RS-Virus durch ist

Für Erwachsene und ältere Kinder ist eine RSV-Infektion meist in wenigen Tagen überstanden. Für Säuglinge und sehr kleine Kinder kann sie eine ernste Belastung sein – manchmal mit Krankenhausaufenthalt.

Wer die Symptome kennt, früh zum Kinderarzt geht und das Kind danach in Ruhe erholen lässt, ist gut aufgestellt. Der RS-Virus ist gefährlich, wenn er unterschätzt wird – nicht, wenn Eltern ihn kennen.

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