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Mein Kind ist irgendwie anders – Fördern statt Überfordern

Kita
Gastbeitrag von Cornelia Fink

Wenn ein Kind in die Kita kommt, ist das ein Einschnitt für die ganze Familie. Für alle Beteiligten heißt es erst einmal Loslassen und das kann ganz schön an die Seele gehen.

Ich erinnere mich noch gut an den ersten Tag, als meine damals 2 1/2jährige Tochter aus dem Kindergarten nach Hause kam – ein selbstgemaltes Bild in der Hand hielt mit roten Strichen und schwarz-gelben Gekritzel, welche das ganze Bild ausfüllte. Ach herrje dachte ich, wie furchtbar muss dieser Tag für sie gewesen sein. Aber am nächsten Tag wollte sie sofort wieder hin. Die vielen neuen Dinge schienen ihr Spaß zu machen, gleichzeitig hatte sie aber viel zu verarbeiten.

Deshalb an dieser Stelle gleich der vielleicht wichtigste Hinweis für alle Eltern, die ihren Kindern den Übergang in diesen Lebensabschnitt erleichtern wollen: Geben Sie ihren Kindern die Zeit, das Erlebte zu verarbeiten, indem Sie nicht das nächste Nachmittagsprogramm starten, kaum das ihr Kind zu Hause ist. Kinderturnen, musikalische Förderung, weiterführende Erlebnisse wie Zirkus, Kino oder auch nur der Besuch auf dem Spielplatz oder bei anderen Menschen, um nur einige Beispiele zu nennen, werden ihr Kind zu einem Leistungsmenschen machen, anstatt zu einem guten Selbstwert beitragen.

Wie können wir Eltern das neue Leben im sozialen Miteinander begleiten, ohne uns zu viel in das Geschehen einzumischen? Was ist jetzt hier unsere Aufgabe?

Erst einmal sollten wir dem Kind signalisieren, wie großartig wir das Ganze finden und auf gar keinen Fall dürfen wir unser Kind mit anderen vergleichen. Viel fataler wäre es noch, den Erzieherinnen keinen Vertrauensvorschuss zu geben.

Sicher wird ihr Kind manches anders erleben als zu Hause. Aber das ist doch gut so. Es bereitet den jungen Menschen auf das Leben vor.

Wichtig ist jetzt vor allem, dass Sie ihr Kind in diesem Prozess des Selbständig-Werdens unterstützen und bestärken. Auch wenn nicht immer alles so läuft, wie Sie sich es vorstellen, geben Sie Ihrem Kind niemals das Gefühl, dass etwas nicht nach Ihrem Gusto ist. Sagen Sie ihm stattdessen, wie toll es ist, dass die anderen Kinder anders sind und vor allem wie viel es jetzt erleben darf in dieser neuen Welt. Freuen Sie sich, wenn Sie es abholen, egal mit welcher Laune es auf Sie zukommt.

Die Weichen stellen wir von Anfang an und schon möglichst lange im Vorfeld

Doch wie gut Ihr Kind von Anfang an in der Kita zurechtkommt, hängt nicht zuletzt davon ab, wie es aufwachsen durfte. Einfühlsame Bezugspersonen sind das Wichtigste für alle späteren Beziehungen.

Um Mitleid mit anderen Kindern empfinden zu können und die Welt mit dessen Augen zu sehen, muss ein Kind selbst Einfühlungsvermögen erfahren haben. Lernt das Kind hingegen Gefühlsäußerungen zu unterdrücken, wird es diese auch bei anderen nicht bemerken und nicht reagieren. Der entscheidende Grundstein für ein positives Sozialverhalten wird in der Familie gelegt.  Ein gelungenes Spiel zwischen zwei oder mehr Kindern ist keine Selbstverständlichkeit.

Der Einfluss der Erwachsenen auf das Verhalten der Kinder untereinander ist nicht zu unterschätzen. Kinder, die eine unsichere Bindung speziell zu ihrer Mutter haben, sind sozial weniger kompetent. Dasselbe gilt aber auch für Kinder, denen von ihren Müttern immer alles abgenommen wurde, die ihre Welt nicht allein entdecken durften, die sich nicht anstrengen mussten, um etwas herauszufinden.

Je selbstständiger und dadurch selbstbewusster ein Kind heranwachsen durfte, umso größer ist seine soziale Kompetenz. Je mehr ihm zugetraut und erlaubt wurde seine Grenzen zu erkunden, desto widerstandsfähiger ist es gegen Frustration. Zudem haben alle starken und selbstbewussten Kinder es nicht nötig, andere zu unterdrücken.

Begleiten Sie Ihr Kind durch Ihr Vorbild und mit verständnisvoller Zuwendung

Auch Regeln, die eingehalten werden müssen, sollten die Kleinen schon vor ihrem Eintritt in die Kita im häuslichen Umfeld gelernt haben. Dann wird es ihm auch nicht schwerfallen, die so genannte Regel der Priorität zu verstehen, dass ein Kind, das sich zuerst mit einem bestimmten Gegenstand beschäftigt, damit automatisch einen vorübergehenden Besitzanspruch erwirbt. Sonst wird daraus schnell ein großes Frustrationserlebnis.

Denken Sie aber auch daran, dass Schwankungen bei Emotionen und im Verhalten mit dazugehören, damit sich Ihr kleiner Schatz gut und gesund entwickeln kann. Nehmen Sie wahr, wenn Ihr Kind einmal keinen Hunger hat, schlecht schläft und schenken Sie ihm dann besonders viel Nähe und intensive Liebe.

Fazit

Nicht jede kleine Verhaltensänderung sollten Sie zum Anlass nehmen, sich zu große Sorgen um das Kind zu machen. Bleiben Sie wachsam, sprechen Sie regelmäßig mit den Erzieherinnen, aber überreagieren Sie nicht. Dann gelingt nicht nur der Start in diesen neuen, wichtigen Lebensabschnitt, sondern auch die Langstrecke.

Die Autorin

Cornelia FinkCornelia Fink ist Kommunikationspsychologin, studierte Pädagogin und Lehrerin. Bereits in jungen Jahren entwickelte sie einen der ersten Studiengänge für “musikalische Früherziehung” in Würzburg, war internationale Markenbotschafterin für die Firma SONOR und machte sich mit dem Label STIMMWEGE als Lehrbeauftragte der Universität Würzburg, sowie als Gesangslehrerin und Stimmtrainerin, Bildungsreferentin im Bereich Lehrer- und Erzieherfortbildung und Persönlichkeitsentwicklung im HR-Management, einen Namen.

Ihre 40 Jahre Bühnenerfahrung nutzt sie heute, um Menschen von Heranwachsenden bis Führungskräfte dabei zu unterstützen, ihren eigenen authentischen Weg zu gehen und ihre Rollen im Leben im Einklang mit ihrer Berufung zu finden.

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